Microsoft Word – 1994 Uhse Schul-Film pers Beratung.docx
Was nahezu niemand mehr weiß, sie beeinflusste auch durch einen standardisierten Aufklärungsfilm, der konsensfähig in alle Richtungen sein sollte, den Aufklärungsunterricht rund um die Welt.
Dass die DGG dabei in den 90er Jahren einen beratenden Einfluss hatte, will ich als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitserziehung im Sinne der WHO „unter Einbeziehung des geschlechtlichen/sexuellen Wohlbefindens“, wie auch in unserem Dach-Verband W A S als SEXUAL HEALTH.
Nach einer eher nicht frauentypischen Berufslaufbahn wurde ihr in Gesprächen mit anderen Frauen klar, wie groß deren Bedürfnis nach Aufklärung und Sex war – und wie groß deren Sorge wegen einer ungewollten Schwangerschaft.
Sie begann, eine Broschüre über die Knaus-Ogino-Verhütungsmethode zu verkaufen. Die Zeitschrift verkaufte sich tausendfach. Uhse erweiterte ihr Angebot schon bald um Kondome und Eheratgeber. 1951 gründete sie das „Versandhaus Beate Uhse“. Zu ihren ersten Produkten zählten Kondome und Bücher zum Thema „Ehehygiene“.
Ein Jahrzehnt später zählte die Firma bereits über fünf Millionen Kunden. 1962 eröffnete sie in Flensburg mit dem „Fachgeschäft für Ehehygiene“ den ersten Sexshop der Welt (hier ein Laden 1965 in Hamburg).
Ihr Sortiment wurde immer größer – und so auch die Empörung vieler selbst ernannter Sittenwächter (m,w,d). Einige ihrer Produkte waren schon bald Gegenstand polizeilicher Ermittlungen, der Vorwurf lautete, dass sie „der unnatürlichen, gegen Zucht und Sitte verstoßenden Aufpeitschung und Befriedigung geschlechtlicher Reize“ dienten. Bis 1992 wurden über 2.000 Anzeigen gegen ihre Firma erstattet.
In dieser Zeit war Beate Uhse als weltweit bekannte Aufklärerin zu Gast bei der DGG an der Universität in Landau/Pfalz, um über ein Filmprojekt zu diskutieren, das konsensfähig für den Schulunterricht auf der ganzen Welt verfügbar gemacht werden sollte. 1994 stellte sie an gleicher Stelle bei der AsF/DGG im Arbeitskreis sexualpädagogische Forschung der DGG unter
Leitung von Professor Norbert Kluge (+2022) den Film vor und dem Fachgremium zur Diskussion. Ich war damals Teilnehmer als Vorsitzender der DGG eV Bayern. Warum auch immer, schenkte sie mir beim Verlassen des Gremiums den VHS-Erstling zur „aktiven Nutzung bei meinen
V orhaben“.
1996 öffnete das „Beate Uhse Erotik-Museum“ in Berlin seine Türen.
Die DGG nahm das als willkommenen zum Anlass für eine Jahrestagung und besuchte die Ausstellung. Eine mit Frau Uhse geplante Diskussionsrunde musste leider abgesagt werden wegen aktueller Terminänderung.
Drei Jahre später ging die Beate Uhse AG an die Börse. Am 16. Juli 2001 verstarb Beate Uhse.
Bis heute gilt Beate Uhse als Vorbild für viele Frauen. Durch ihr Engagement schaffte sie es, Sexualität Stück für Stück zu enttabuisieren. Dabei erkannte sie die Bedeutung des verpflichtenden schulischen Aufklärungsunterrichtes, was sie mit einem schul- und zeitgemäßen Film tatkräftig unterstützen wollte. Schon damals pochte sie bei der geplanten Bebilderung auf gesellschaftliche Multikulti-Aspekte.
Sie ist eine der einflussreichsten deutschen Frauen in der Geschichte.
Die DGG schickt eine freundliche Erinnerung in die Ewigkeit.
Linus Dietz, DGG-Vorsitzender
Diese und weitere Informationen insbesondere zum Lebenslauf von Beate Uhse sind bebildert auf web.de nachzuverfolgen. Quelle: