Resolutionen

Linus J. Dietz, Vorsitzender der DGG e.V. Bonn
und Sexualpädagogik-Beauftragter des Lehrerverbandes BLLV/VBE bis 2018

1978 Resolutionen  2019

Standards zu Fragen/Auswertung einfügen

Resolution 2014

 

Resolution der DGG eV 2015 – Landau/Pfalz – Erklärung

Sexualerziehung in der Schule „JA“ – Sexualisierung „NEIN“

Schulische Sexualerziehung bedarf der wissenschaftlichen Fundierung und einer zeitgemäßen Anpassung – Forderungen der DGG an die Verantwortlichen nach einem konsensfähigen aktualisierten Orientierungsrahmen zum Lernfeld Sexualität und Schule. Es bedarf einer Grundsatzentscheidung der KMK für einen Strategieplan. Sexualisierung und Ideologisierung dürfen grundsätzlich keine Elemente schulischer Sexualerziehung werden (gem. BVG 21.12.1977). Eine konsensfähige Vielfalt der Meinungen und Themen wie der Methoden ist zu gewährleisten, Sexualerziehung in den deutschen Schulen ist rechtens, an strikte Vorgaben gebunden, wobei Eltern kein Mitbestimmungsrecht haben, aber die Kooperation mit dem Elternhaus verpflichtend wird (gem. BVerwG, 22.3.1979).

Der in jüngster Zeit medienwirksam vorgebrachte Protest von Eltern und Institutionen gegen schulische Sexualerziehung bedarf der unaufgeregten Analyse und Reaktion. Sexualaufklärung und Sexualerziehung in Kindheit und Jugend bzw. lebenslange Sexualbildung insgesamt sind heute angesichts der inflationären Darstellung und Kommerzialisierung von Sex in der Öffentlichkeit mindestens so wichtig wie zu Zeiten des Vertuschens und Tabuisierens.

Es rächt sich, dass Sexualerziehung trotz diesbezüglicher Beauftragung der Schulen durch die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz seit 1968 in keinem Bundesland zu einem verbindlichen Teil der Lehrerausbildung im Studium und –der Lehrerfortbildung im Referendariat sowie der schulhausinternen und regionalen wie überregionalen Lehrerweiterbildung geworden ist.

An vielen Schulen gibt es zwar auf der Basis von Richtlinien und Lehrplänen und mit Hilfe unstrittiger Medien eine von Eltern und Schülern akzeptierte Sexualaufklärung im Bereich der vorgeschriebenen Sexualerziehung, aber diese positive Bilanz ist nicht flächendeckend und darf nicht darüber hinweg täuschen, dass es sowohl deutliche unverantwortliche Defizite in der Sexualaufklärung als auch sexualpädagogischen Übereifer gibt, der den Vorwurf der Sexualisierung und der Indokrination provoziert. Dass die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Sexualerziehung an Schulen nicht überarbeitet worden sind, ist zu kritiseren.

An einem „runden Tisch“ müsste unter Beteiligung von Wissenschaftlern verschiedener Ausrichtungen, von Fachdidaktikern (zuständig für einen Fächer übergreifenden Aufklärungsunterricht), von Lehrerschaft und Eltern und von externen Fachleuten aus der außerschulischen Bildungs- und Beratungsarbeit ein zeitgemäß verbindliches Rahmenkonzept für Grundsätze, Ziele und Inhalte schulischer Sexualerziehung formuliert werden. Kulturelle und sexuelle Vielfalt müssten an so einem „runden Tisch“ angemessen repräsentiert sein, Möglichkeiten und Grenzen des methodischen Vorgehens müssten konsensfähig benannt werden, um für Eltern Transparenz, für LehrerInnen Planungssicherheit und für die Schülerinnen und Schüler jugendgemäß nachhaltige Lernsituationen zu schaffen.

Lehrkräfte müssten endlich für das Thema Sexualität im schulischen Alltag und für den diesbezüglichen Richtlinien gemäßen Unterricht in ihren Fächern nachprüfbar qualifiziert werden. Zu fordern ist im Vorfeld ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Diskurs über menschliche Sexualität als biologisches und kulturelles Phänomen (Sex und Gender), in dem Mythen und ideologische Vereinseitigungen aufgedeckt und rational bearbeitet werden.

Dazu ist ein Strategieplan erforderlich, zu dem u.a. die Ausbildung regionaler FachberaterInnen bzw. schulischer Beauftragter gehört, wie es derzeit in Bayern der Entwurf zur Anpassung der Richtlinien vorsieht.

Die aktuellen Herausforderungen an die schulpädagogische Realität kann von den Lehrkräften nicht ohne Unterstützung von außen geleistet werden. Ein großes Problem besteht darin, konsensfähige Materialien zum Unterrichtsgebrauch bei Kindern und Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen (Immigranten, Emigranten, Übersiedlern, Flüchtlinge, Asylanten, christlich oder anders religiös Orientierte und Nichtreligiöse sowie Menschen mit hier noch nicht erfasstem Migrationshintergrund) bereit zu stellen. Diese Aufgabe müsste nach Auffassung der DGG professionell und kultursensibel von der BZgA in staatlich verantwortetem Auftrag gelöst werden.

Hierzu braucht es wissenschaftlicher Begleitung. Diese sieht die DGG am effektivsten und sinnvollsten an einer Universität aufgehoben mit einem eigenen Fachinstitut und qualifizierten wissenschaftlichen Kräften verschiedener Fachrichtungen . Wegen der Zuständigkeit der Länder in Sachen Schule sollte die KMK Aufbau und Evaluation letztverantwortlich im Griff haben.

Anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Dr. Norbert Kluge, erinnert die DGG dankbar an seine Leistungen für eine wissenschaftliche Sexualpädagogik. Er hat von 1985 – 1994 die DGG geleitet und an der Universität Landau/Pfalz durch Forschungsarbeiten und zahlreiche Veröffentlichungen, davon 50 Bücher, auch Theorie und Praxis schulischer Sexualerziehung nachhaltig vorangebracht.

Kritik, Rückmeldungen, Wünsche, Anträge erbeten an

DGG eV Geschäftsstelle Lengfelder Str. 29 97078 Würzburg dgg@sexualerziehung.org Der Vorsitzende Linus Dietz

2019 Würzburger Erklärung und Resolution für schulische Sexualerziehung

Würzburg 6. Februar 2019 – Linus Dietz als Vorsitzender auf der Mitgliederversammlung der DGG 2019 bestätigt – 50 Jahre des Abwartens auf professionelle Aus-, Fort- und Weiterbildung staatlicher Lehrkräfte für die rechtsverbindliche Sexualaufklärung in den Schulen sind wirklich genug!

Zur Mitgliederversammlung der DGG 2019 hatte der Vorsitzende der DGG eV satzungs- und turnusgemäß zur Mitgliederversammlung für 4./5.2.2019 aufgerufen. Die AGENDA wurde im Exerzitienhaus Himmelspforten von Würzburg abgearbeitet. „Die schulische Sexualpädagogik hat wahrlich ein Update auf sexualpädagogische Profession für den in Schulen verpflichtenden Aufklärungsunterricht – in Kooperation mit den Eltern und Erziehungsberechtigten mehr als verdient, wenn endlich Schluss sein soll mit dem dilettantischen Rumgehampele der ansonsten professionell unterrrichtenden schulischen Lehrkräfte“. Seit 50 Jahren gelten die staatlichen Versprechungen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern auf diesem zugegeben schwierigen Gebiet der schulischen Arbeit gem. Beschluß der Kultusminsterkonferenz vom 3.10.1968:

„III. Hilfen für den Lehrer; Lehrerfortbildung; Lehrerausbildung
Damit die Schulen überall in ausreichendem Maße ihre Aufgabe in der Sexualerziehung erfüllen können, sollen im Rahmen der verschiedenen Formen der Lehrerfortbildung geeignete Lehrgänge eingerichtet werden.
Besonders zu empfehlen sind Lehrerarbeitsgemeinschaften in den einzelnen Schulen. Die Lehrerbibliotheken müssen mit der einschlägigen Literatur ausgestattet werden. In die Studienordnungen für die verschiedenen Lehrämter und in die Ausbildungsordnungen der Institutionen des Vorbereitungsdienstes sind zweckdienliche fach- und erziehungswissenschaftliche, didaktische und unterrichtsmethodische Lehrveranstaltungen aufzunehmen.“

Die Empfehlungen der STÄNDIGEN KONFERENZ DER KULTUSMINISTER DER LÄNDER DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND (KMK) von 1968 wurden im Jahr 2002 aufgehoben, weil sie in den verbindlichen schulischen Richtlinien aller Bundesländer aufgenommen wurden. Sie bilden die Basis für die weiteren Entwicklungen im Bereich „schulische Sexualerziehung“, aber insbesondere auch für die Forderungen der gesetzlich in der Pflicht stehenden Lehrkräfte auf angemessenen Zurüstung für dieses fächerübergreifende verbindliche Unterrichtsfach. (Beschluss der KMK vom 3.10, 1968, in: Sammlung der Beschlüsse der STÄNDIGEN KONFERENZ DER KULTUSMINISTER DER LÄNDER IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, 659, Neuwied, Luchterhand (Erg.-Lfg. 12 vom 21. 4.1969))

Diese „seit 50 Jahren selbst erklärenden Forderungen der immer noch zutreffenden KMK-Empfehlungen sollen als eine angemessene Resolution als „Würzburger Erklärung 2019“ unser ANLIEGEN auf Professionalisierung der Sexualpädagogik in den Schulen Deutschlands als Ergebnis der Jahrestagung der DGG 2019  fixieren zur Weiterleitung an die Verantwortlichen in der Hoffnung auf Bearbeitung: „50 Jahre des Abwartens auf professionelle Aus-, Fort- und Weiterbildung staatlicher Lehrkräfte für die rechtsverbindliche Sexualaufklärung in den Schulen sind wirklich genug!“, so der einstimmig wiedergewählte Vorsitzende Linus Dietz in Würzburg. 

Im Mittelpunkt hätten die in den neuen Richtlinien geschaffenen Fach-Betreuer an den Schulen zu stehen als Multiplikatoren mit dem Schwerpunkt: Digitale Kompetenz als Teil
der Lehrer-Prüfungsordnung, und auch bei der qualifizierten Ausbildung der schulischen Sexualkunde-Lehrenden?

Die Bundesländer entscheiden über die Zugangsvoraussetzungen zum Vorbereitungsdienst der Lehrkräfte. Sie haben die Verantwortung, Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Medien verbindlich festzuschreiben. (Titelthema Didacta-Magazin 9/2018 von Bianca Brinkmann)

Und da diese Medienwelt unabweislich auch „als sexualisiert im weitesten Sinne gilt“, so DGG-Vorsitzender Dietz, „und die überarbeiteten sexualpädagogischen Richtlinien stringent mit Kompetenzen in den Lernzielen arbeiten, habe dies nun Forderungen für eine sexualpädagogische Grund-Ausbildung im universitären Lehramtsstudium zur Folge.“ 

Doch Bildungsexperten sehen nicht nur Lehrende und Hochschulen beim Thema Digitalisierung in der Pflicht. Aber ohne Engagement der Politik wird sich hier nichts bewegen. „Da
die Länder über die Zugangsvoraussetzungen zum Vorbereitungsdienst der Lehrkräfte entscheiden, haben sie di Möglichkeit, aber auch die Verantwortung, Kompetenzen für den Umgang mit digitalen Medien und ihren methodisch und didaktischen Einsatz für alle Lehramtsanwärter verbindlich festzuschreiben. Nach der Analyse des Monitor Lehrerbildung: Nur knapp de Hälfte der Länder macht von ihren Steuerungsmöglichkeiten Gebrauch und berücksichtigt das Thema in staatlichen Prüfungsordnungen für das Lehramt oder macht es zum Gegenstand von Hochschulverträgen.

Es zeigt sich: Das Lehrerstudium und damit die Lehrkräfte von morgen sind erst teilweise in der digitalen Welt angekommen. Dabei bedarf es einer soliden Grundausbildung aus der ersten Ausbildungsphase und einer offenen Haltung dem Thema gegenüber, gerade weil sich die Unterrichtsmethoden sowie vielfältigen Einsatzmöglichkeiten digitaler Hilfsmittel so schnell wandeln und weiterentwickeln. Jede Phase, vom  Studium über das Referendariat bis zur Weiterbildung, sollte ihren Beitrag zur angemessenen Professionalisierung für den Lehrerberuf leisten. Digitale Medien gehören zu einem zeitgemäßen Berufsverständnis genauso dazu wie Stift und Papier. Und von einer konsequenten Verankerung im Lehramtsstudium profitieren am Ende nicht nur die Lehrkräfte selbst, sondern vor allem die Schüler, ihre Eltern und die ganze Gesellschaft. „Es handelt sich bei dieser Forderung nach einer umfassenden Digitalisierung um eine gesellschaftliche Herausforderung ersten Grades, so Dietz.“

Auch der Programmratgeber „Flimmo“, herausgegeben von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (kostenlos als Broschüre, im Internet und als App erhältlich) rät Familien zu einem kritischen Umgang mit bestimmten Fernsehformaten. Sie seien für Kinder problematisch, dazu zählen Staffeln von altbekannten Reality- und Casting-Sendungen, wie „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (RTL), besser bekannt als „Dschungelcamp“, „Der Bachelor“ (RTL) und „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) sowie „Germany’s next Topmodel“ (ProSieben). ,,Solche Formate bieten Kindern denkbar negatives Anschauungsmaterial in Bezug auf Werte, Normen und Rollenbilder“, schließt sich Dietz an. „Flimmo“: Entscheidend sei, Kindern zu vermitteln, dass diese Sendungen nicht das wirkliche Leben abbildeten, im Umkehrschluss: „Wenn schon Fernsehen für und mit Kindern, dann Sendungen, die realistische Lebenswirklichkeit darstellen, – und da auch nicht permanent in der seltensten Form einer Lebenssituation“. (MÜNCHEN (EPD) 5/2019 WÜRZBURGER KATHOLISCHES SONNTAGSBLATT, S. 45)  Das Verständnis hierfür und der Umgang damit gehört zur Ausbildung für den Lehrberuf und zur Didaktik und Methodik einer zeitgemäßen Fortbildung, – aber das müssen die Verantwortlichen dafür auch wollen“, so Dietz von der DGG zur Jahrestagung 2019 in Würzburg.