{"id":1305,"date":"2023-03-16T10:55:16","date_gmt":"2023-03-16T09:55:16","guid":{"rendered":"http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/?p=1305"},"modified":"2023-03-16T10:55:16","modified_gmt":"2023-03-16T09:55:16","slug":"16-maerz-2023-unterricht-fuer-maedchen-in-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dgg-ev-bonn.de\/index.php\/2023\/03\/16\/16-maerz-2023-unterricht-fuer-maedchen-in-afghanistan\/","title":{"rendered":"16. M\u00e4rz 2023 &#8211; Unterricht f\u00fcr M\u00e4dchen in Afghanistan"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>OFARIN: Bericht und Rundbrief, 10. M\u00e4rz 2023<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Freunde,<\/p>\n\n\n\n<p>am 1.M\u00e4rz hat tats\u00e4chlich die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem afghanischen Erziehungsministerium und OFARIN stattgefunden. Neben einer Registrierung beim Wirtschaftsministerium, m\u00fcssen wir ein Partnerministerium haben, das unsere Arbeit inhaltlich begleitet. Bisher war das das Ministerium f\u00fcr Religi\u00f6se Angelegenheiten, das f\u00fcr Moscheen und auch f\u00fcr die Pilgerreisen nach Mekka zust\u00e4ndig ist. Seit der \u00dcbernahme der Macht durch die Taliban, hatte man in diesem Ministerium Personen f\u00fcr die Kontakte zu OFARIN verantwortlich gemacht, mit denen eine Zusammenarbeit praktisch unm\u00f6glich war. Sp\u00e4ter hatte die Regierung der Taliban beschlossen, dass Hilfsorganisationen wie OFARIN Schulunterricht nur noch als Partner des Erziehungsministeriums anbieten d\u00fcrfen. Seit dem 1.M\u00e4rz tut OFARIN das.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat OFARIN rund neun Monate lang einen erheblichen Aufwand an Verhandlungen und B\u00fcrokratie gekostet, obwohl sich auch das Ministerium mit Wohlwollen des Vorhabens angenommen hatte. Bisher war OFARINs Unterricht in den meisten Orten mit einem gewissen Risiko fortgesetzt worden. Jetzt ist er richtig legal. Wo man die Klassen beurlaubt hatte, wird wieder unterrichtet. Trainerinnen und Trainer von OFARIN haben den Unterricht in den Moscheen von Qalatscha und Bini Hissar besucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mullah Mukhtar, der Imam von Bini Hissar, hatte nur noch Religionsunterricht in seiner Moschee erlaubt. Der wurde von unseren Lehrkr\u00e4ften erteilt. OFARIN entlohnte diese aber nicht. Jetzt ist alles wieder in Ordnung. \u00dcberall wird alles unterrichtet und Lehrerinnen und Lehrer werden besoldet. Eine Spezialit\u00e4t in Bini Hissar ist, dass in der Moschee auch M\u00e4dchen unterrichtet werden. Grunds\u00e4tzlich ist der Unterricht f\u00fcr kleine M\u00e4dchen bis Klasse sechs erlaubt, aber nicht in Moscheen. Dank der Geschlechtertrennung m\u00fcssen M\u00e4dchen n\u00e4mlich von Lehrerinnen unterrichtet werden. Die aber d\u00fcrfen nicht t\u00e4glich in die Moscheen kommen, weil sie nach talibanischer Auffassung das Haus Gottes auf gef\u00e4hrliche Art verunreinigen k\u00f6nnten. Mullah Mukhtar ist in politischen Fragen ein \u00e4ngstlicher Taktierer und wollte sich an dieses Gebot der Obrigkeit halten. Aber die Wei\u00dfb\u00e4rte, das ist so etwas wie der Pfarrgemeinderat, entschieden, dass in der Moschee auch M\u00e4dchen unterrichtet werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit gro\u00dfer Freude haben wir erfahren, dass auch in unserem Projektgebiet in Paryan, in der Provinz Pandschir \u2013 das liegt fast 3.000 m hoch \u2013 der Unterricht wieder aufgenommen wurde. Im Pandschirtal war lange gek\u00e4mpft worden. Es gab kaum telefonische Kontakte, weil die Taliban und wohl auch pakistanisches Milit\u00e4r vieles kontrollierten. Mudir Yaya, unser Projektleiter dort, gab um Weihnachten herum durch, dass die Menschen \u2013 auch die Familien unserer Sch\u00fcler und Lehrer \u2013 aus der Gegend wegziehen und nach Kabul kommen wollten. Jetzt meldet Yaya, dass die K\u00e4mpfe abgeflaut seien. Nur im \u00e4u\u00dfersten Hochgebirge, g\u00e4be es vereinzelte Zusammenst\u00f6\u00dfe. In Paryan sei es ruhig. Der Unterricht habe wieder begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir uns im Sommer 2022 nach Partnerschaften mit anderen Ministerien als dem f\u00fcr Religi\u00f6se Angelegenheiten umsahen, besuchten wir u.a. auch das Ministerium f\u00fcr Grenzfragen. Die Kontakte waren erfreulich. Wir beschlossen, OFARINs Projektgebiet in der Provinz Logar in eine Partnerschaft mit diesem Ministerium einzubringen. Gegen\u00fcber dem Erziehungsministerium gaben wir deshalb dieses Projektgebiet mit seinen gut 20 Klassen nicht an. Als die Taliban sp\u00e4ter verf\u00fcgten, dass nur noch das Erziehungsministerium als OFARINs Partner in Frage kommt, wollten wir den m\u00fchsamen Prozess des Partnerwerdens nicht durch die nachtr\u00e4gliche \u00c4nderung der zun\u00e4chst angegebenen Projektgebiete und Klassenzahlen belasten. Andernfalls w\u00e4ren vermutlich die Verhandlungen wieder von vorne begonnen worden. Logar m\u00fcssen wir also sp\u00e4ter in die Partnerschaft einbringen, wie wir das auch mit weiteren Gebieten tun m\u00fcssten, in denen wir sp\u00e4ter einmal aktiv werden wollen. Wir sehen keine Probleme f\u00fcr OFARINs Klassen in Logar. Das dortige Programm erfreut sich des Wohlwollens der Provinzbeh\u00f6rden. Der Unterricht lief und l\u00e4uft reibungslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Februar-Rundbrief hatte ich bereits vermutet, dass wir nach Naurus, dem afghanischen Neujahrsfest am 21. M\u00e4rz (Fr\u00fchlingsanfang), unruhige Zeiten im Schul- und Bildungswesen erwarten. Dann enden in den kalten Provinzen, also in den meisten Gebieten Afghanistans, die Winterferien. Die bisher ungekl\u00e4rte Frage, ob M\u00e4dchen von der siebten Klasse an wieder in die Schule gehen und ob Frauen studieren d\u00fcrfen, ist unbeantwortet. Das Staatsoberhaupt, der Emir Haibatullah Akhondzadah, ist gegen die Bildung von Frauen und M\u00e4dchen. M\u00e4chtige Minister, wie der Innenminister und der Verteidigungsminister, sind strikt f\u00fcr diese Bildung. Die Bev\u00f6lkerung, nicht nur in den St\u00e4dten, d\u00fcrfte die Bildung von M\u00e4dchen und Frauen mehrheitlich bef\u00fcrworten. Die Mehrheit der Taliban-Krieger d\u00fcrfte wie der Emir denken, zumal der Emir als \u201eAnf\u00fchrer der Gl\u00e4ubigen\u201c auch eine religi\u00f6se Instanz ist. Es kann also munter werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu allem \u00dcberfluss beginnt am afghanischen Neujahrstag oder einen Tag fr\u00fcher oder sp\u00e4ter der Fastenmonat Ramadan (das wird danach entschieden ob der Neumond gesehen wurde oder nicht). Das k\u00f6nnte die Entscheidung \u00fcber die Bildung von Frauen und M\u00e4dchen vertagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird diese Bildung offiziell verboten oder wird eine Entscheidung weiter hinausgeschoben, d\u00fcrfte der Emir seinen Zugriff auf die Schulen und Universit\u00e4ten verlieren. Sollte sich das Erziehungsministerium dann nicht vom Emir distanzieren, werden bald die Beh\u00f6rden der Provinzen oder lokale Initiativen die Entscheidungsgewalt \u00fcber die Schulen \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was auch kommen wird \u2013 OFARIN befindet sich in dieser Auseinandersetzung in einer komfortablen Nische. Unser Unterricht ist elementar. Er richtet sich nicht an gr\u00f6\u00dfere M\u00e4dchen oder an Frauen. Unser Tun liegt also abseits der Hauptkampflinie, um die Bildung von Frauen und \u00e4lteren M\u00e4dchen. Unter uns: Es gibt schon einige Klassen von OFARIN, die von gr\u00f6\u00dferen M\u00e4dchen und sogar von Frauen besucht werden, die bisher nicht zur Schule gegangen sind. Aber dort wird man wissen, wie man sich zu verhalten hat. Wir sehen jedenfalls die zu erwartenden Auseinandersetzungen innerhalb der Taliban-F\u00fchrung gelassen und hoffen, dass sie eine Wende zum Besseren bringen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich langweilen Sie die vielen Details, die ich Ihnen zugemutet habe. F\u00fcr uns \u2013 f\u00fcr Anne Marie und mich \u2013 sind die aber so erfreulich, dass wir sie Ihnen nicht ersparen. Wir haben Perspektiven f\u00fcr eine ruhige Weiterentwicklung. Nat\u00fcrlich wollen wir pers\u00f6nlich mitwirken und sehen, was m\u00f6glich ist. Daher werden wir m\u00f6glichst schnell nach Afghanistan reisen. Noch haben wir kein Ticktet. Aber in einer Woche wollen wir weg sein. Die Aufenthaltsdauer wird sich nach dem richten, was sich an M\u00f6glichkeiten auftut \u2013 aber nat\u00fcrlich auch nach den visatechnischen Gegebenheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie k\u00f6nnen uns auch in Afghanistan weiterhin unter der E-Mail-Adresse <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.ofarin.org\/so\/6fORfg-Kg\/c?w=PClRiGvqhko7Z3qAkENulsmBMWJxdQ7WacMzJI8ToAc.eyJ1IjoibWFpbHRvOnNjaHdpdHRla0B0LW9ubGluZS5kZSIsInIiOiJlMzBlYmJhNi0yNzExLTQyNmUtMjk0NC05MTgzYTFkYzhlYjgiLCJtIjoibWFpbCIsImMiOiIzNGI1NDI4OC1iYmFhLTQxMTctOTM1MS1jYTZkMWVjMDMwZDMifQ\" rel=\"noreferrer noopener\">schwittek@t-online.de<\/a> erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Herzliche Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Schwittek.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OFARIN: Bericht und Rundbrief, 10. 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