{"id":1253,"date":"2023-03-01T13:06:00","date_gmt":"2023-03-01T12:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/?p=1253"},"modified":"2023-01-16T13:08:31","modified_gmt":"2023-01-16T12:08:31","slug":"1-maerz-2023-beruehmt-beruechtigt-helmut-kentler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dgg-ev-bonn.de\/index.php\/2023\/03\/01\/1-maerz-2023-beruehmt-beruechtigt-helmut-kentler\/","title":{"rendered":"1. M\u00e4rz 2023 &#8211; Ber\u00fchmt ber\u00fcchtigt: HELMUT KENTLER"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><strong>Zwischenbericht:<\/strong><br>Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe<\/td><\/tr><tr><td>Am 19. Dezember hat die Universit\u00e4t Hildesheim gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie einen&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/xs0gx.mjt.lu\/lnk\/AW8AAAq3D6UAAchj09oAAHNDn_oAAYCp1EgAH8m5AA2hfwBjxQBhFN66StQ4Q-qRkRbdHP5CFAANjgs\/49\/eQJdWVZsQcZlb5GiuTnUZg\/aHR0cHM6Ly93d3cudW5pLWhpbGRlc2hlaW0uZGUvbWVkaWEvZmIxL3NvemlhbHBhZWRhZ29naWsvRm9yc2NodW5nL0F1ZmFyYmVpdHVuZ18tSnVnZW5kaGlsZmVfQmVybGluLV9LZW50bGVyL1p3aXNjaGVuYmVyaWNodF9LZW50bGVyLnBkZg\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong><u>Zwischenbericht<\/u><\/strong><\/a>&nbsp;zum Aufarbeitungsprojekt &#8222;Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe&#8220; vorgestellt.&nbsp;<br>Das bis Ende 2024 laufende Projekt soll insbesondere der Frage nachgehen, wie dieses Netzwerk sich differenzierter beschreiben l\u00e4sst und wie das Landesjugendamt Berlin darin positioniert ist, d. h. welche organisationalen Verwobenheiten und Verantwortlichkeiten sich auch \u00fcber Berlin hinaus rekonstruieren lassen.&nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/46c853b5-4597-42d7-9487-b76f8dc4215e\" alt=\"page1image3556055136\" width=\"75.900000\" height=\"75.823460\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwischenbericht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eHelmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe \u2013 Aufarbeitung der organisationalen Verfahren und Verantwortung des Berliner Landesjugendamtes\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Projektlaufzeit (insgesamt):&nbsp;<strong>01.03.2019 bis 30.09.2023&nbsp;<\/strong>Berichtszeitraum:&nbsp;<strong>01.03.2019 bis 31.10.2022<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ausf\u00fchrende Stelle:<\/p>\n\n\n\n<p>Projektteam: Kontakt:<\/p>\n\n\n\n<p>Universit\u00e4t Hildesheim<br>Institut f\u00fcr Sozial- und Organisationsp\u00e4dagogik<\/p>\n\n\n\n<p>Institut f\u00fcr Erziehungswissenschaft, Abteilung Allge- meine Erziehungswissenschaft<br>Prof. Dr. Meike Baader, Prof. Dr. Wolfgang Schr\u00f6er, Nastassia Laila B\u00f6ttcher, Dr. Carolin Ehlke, Dr. Carolin Oppermann, Dr. Julia Schr\u00f6der<\/p>\n\n\n\n<p>E-Mail: jhberlin@uni-hildesheim.de Universit\u00e4tsplatz 1, 31141 Hildesheim<\/p>\n\n\n\n<p>1<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des Ergebnisberichts der im Juni 2020 abgeschlossenen und von den Instituten f\u00fcr Sozial- und Organisationsp\u00e4dagogik sowie Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universit\u00e4t Hildesheim durchgef\u00fchrten Aufarbeitung zu \u201eHelmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe\u201c \u2013 gef\u00f6rdert von der Berliner Senatsverwaltung \u2013 konnte als zentrales Ergebnis herausgearbeitet werden, dass die Senatsverwaltung in ihrer Funktion als Landesjugendamt w\u00e4hrend der Heimreform der 1970er Jahren die Einrichtungen von Wohngemeinschaften und Pflegestellen bei p\u00e4dophilen M\u00e4nnern nicht nur geduldet hat, sondern sie auch in der Fallver- antwortung der Senatsverwaltung lagen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Jugendhilfesystematisch wurde entfaltet, dass in der Fallverantwortung und Verantwor- tungsstruktur des Landesjugendamts Pflegestellen nach \u00a7 69 Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) und damit als eine Ma\u00dfnahme der sogenannten Freiwilligen Erziehungshilfe (FEH) und F\u00fcrsorgeerziehung (FE) eingerichtet wurden. Dabei existiert ein Schreiben mit einem Aktenzeichen in einer Fallakte, das belegt, dass es zumindest eine Pflegestelle bei einem Pflegevater gegeben hat, die durch das Landesjugendamt (Senatsverwaltung) als Wohngemeinschaft begr\u00fcndet wurde und in der es, so ein Betroffener, zu \u00dcbergriffen und Grenzverletzungen kam, was auch nach Aussage einer Fachkraft in der Retrospek- tive als nachvollziehbar beschrieben wird.<\/li><li>Weiterhin f\u00fchren Zeitzeugen*innengespr\u00e4che sowie der Austausch mit anderen Aufar- beitungsprozessen zu der begr\u00fcndeten Annahme, dass es weitere Pflegestellen resp. Wohngemeinschaften bei p\u00e4dophilen M\u00e4nnern in West-Deutschland gegeben haben kann, die in der Fallverantwortung der Senatsverwaltung in Berlin standen und in denen junge Menschen aus Berlin untergebracht wurden. Es wird berichtet, dass verantwortli- che Mitarbeiter*innen der Senatsbeh\u00f6rde diese Pflegestellen begleitet und in den 1970er Jahren in West-Deutschland aufgesucht haben. Diese Unterbringungen wurden zu Be- ginn mitunter auch Wohngemeinschaften genannt und sind im Verlauf der 1970er Jahre u. a. als Pflegestellen \u2013 h\u00e4ufig heilp\u00e4dagogische Pflegestellen \u2013 ebenfalls von Bezirksju- gend\u00e4mtern in Berlin belegt worden. In diesem Fall wurden auch j\u00fcngere Jugendliche und Kinder in diesen Pflegestellen untergebracht.11&nbsp;Den Begriff der P\u00e4dophilie verwenden wir so, wie wir es in unserem ersten Bericht erl\u00e4utert haben und sind uns der Problematik, die mit ihm verbunden ist, bewusst. So hei\u00dft es in unserem Ergebnisbericht vom 15.06.2020: \u201eDer Begriff der P\u00e4dophilie impliziert einige Probleme und Fragen, deren wir uns bewusst sind. Dazu geh\u00f6rt auch die Unterschei- dung zwischen P\u00e4dophilie und P\u00e4dosexualit\u00e4t, wir verwenden im Bericht ebenfalls beide Begriffe. Der Begriff der P\u00e4dophilie geht historisch auf den Psychiater Krafft-Ebbing zur\u00fcck, der ihn in seiner \u201aPsychopatia Sexualis\u2018 von 1886 einf\u00fchrte. Verwendet wird er bis heute auch im ICD, dem internationalen Klassifikationssystem der WHO, dort be- zeichnet er eine sexuelle Pr\u00e4ferenzst\u00f6rung, die sich auf pr\u00e4pubert\u00e4re und am Anfang der Pubert\u00e4t stehende Kinder bezieht, unabh\u00e4ngig von der tats\u00e4chlichen Realisierung. Der Begriff der P\u00e4derastie bezeichnet ein Begehren, das sich auf pubert\u00e4re bis sp\u00e4tpubert\u00e4re m\u00e4nnliche Jugendliche richtet. Ende der 1980er Jahre kam in den entsprechenden Diskursen und in der Sexualwissenschaft der Begriff der P\u00e4dosexualit\u00e4t auf mit dem Argument, dass es um Sexualit\u00e4t gehe, und dass der bis dahin gel\u00e4ufige Begriff der P\u00e4dophilie verschleiernd sei, da er die Liebe zu Kindern akzentuiere (vgl. Becker 2017). Tats\u00e4chlich wird im P\u00e4dophilie legitimierenden Diskurs der 1970er Jahre diese Liebe zu Kindern besonders hervorgehoben (vgl. Baader 2017: 70f.). In der Sexualwissenschaft wird von vielen der Begriff der P\u00e4dose- xualit\u00e4t zur Beschreibung der Begehrensstruktur, die sich auf Kinder und Jugendliche richtet, als angemessener be- trachtet als der Begriff der P\u00e4dophilie. Auch viele Aufarbeitungsprojekte verwenden ihn. Das seit 2005 existierende Pr\u00e4ventionsprojekt an der Charit\u00e9 Berlin verwendet die Begriffe noch einmal anders, indem unter P\u00e4dophilie die sexuelle Orientierung und unter P\u00e4dosexualit\u00e4t die sexuelle Handlung verstanden wird (vgl. Becker 2017: 314). Ob- wohl wir in unserem Bericht den Begriff der P\u00e4dophilie benutzen, sind wir uns seiner verschleiernden Implikationen bewusst und unterstreichen, dass es im Kontext der von uns untersuchten Pflegestellen um sexualisierte Gewalt und um Kindesmissbrauch geht. Insgesamt ist die Ignoranz und Blindheit gegen\u00fcber der Anwendung von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gerade Teil des sogenannten P\u00e4dophiliediskurses der 1970er bis 1990er Jahre (vgl. Baader<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/64861876-ecb1-440d-a2c2-62becbefe2ae\" alt=\"page2image3640794240\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><\/p>\n\n\n\n<p>2<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Zudem zeigen Berichte von (ehemaligen) Fachkr\u00e4ften und Betroffenen, dass in der Pfle- gekinderhilfe der Kontakt zwischen den jungen Menschen und den Erwachsenen, den sp\u00e4teren Pflegev\u00e4tern, mitunter auch durch Institutionen der Senatsverwaltung, wie z. B. der niedrigschwelligen Kontakt- und Beratungsstelle (KuB), erm\u00f6glicht wurde.<\/li><li>Durch die Aussagen von Fachkr\u00e4ften und die organisationsbezogenen Rekonstruktionen kann ferner davon ausgegangen werden, dass innerhalb der Senatsverwaltung nicht nur eine Person entsprechende Wohngemeinschaften resp. Pflegestellen begleitet hat, son- dern es mehrere Mitarbeiter*innen gab, die in eine Fallverantwortung eingebunden und an unterschiedlichen Stellen in den Abteilungen t\u00e4tig waren.<\/li><li>Schlie\u00dflich wurde als Ergebnis festgehalten, dass auch die Pflegestellen, von denen Hel- mut Kentler selbst im Kontext seines sog. \u201eExperiments\u201c berichtet, in dieser Verantwor- tungsstruktur gelegen haben k\u00f6nnen.2<\/li><li>Dar\u00fcber hinaus haben sich nach der Ver\u00f6ffentlichung des Ergebnisberichts weitere Zeit- zeug*innen und Betroffene bei dem Hildesheimer Forscher*innenteam gemeldet. Die Gespr\u00e4che mit den Betroffenen und Zeitzeug*innen haben neue Hinweise in Bezug auf m\u00f6gliche Verwobenheiten des Landesjugendamts \u2013 auch \u00fcber Berlin hinaus \u2013 geliefert.<\/li><li>Insgesamt gehen wir davon aus, dass es ein Netzwerk3&nbsp;von Akteur*innen gab, durch das p\u00e4dophile Positionen geduldet, gest\u00e4rkt und legitimiert wurden sowie p\u00e4dophile \u00dcber- griffe in unterschiedlichsten Konstellationen nicht nur geduldet, sondern auch arran- giert und gerechtfertigt wurden. Es ist davon auszugehen, dass mehrere Mitarbeiter*in- nen der Senatsverwaltung sowie von Bezirksjugend\u00e4mtern in dieses Netzwerk verfloch- ten waren und dadurch organisational die Zug\u00e4nge, z. B. f\u00fcr p\u00e4dophile M\u00e4nner zu den jungen Menschen, geschaffen und legitimiert sowie die Fallverantwortung der Jugend- wohlfahrt und der Jugendgerichtshilfe der Senatsbeh\u00f6rde \u00fcbernommen haben k\u00f6nnen.Die hier punktuell zusammengefassten Ergebnisse des vorausgegangenen Aufarbeitungspro- jekts und die seitdem erfolgten neuen Hinweise von betroffenen Personen, Zeitzeug*innen so- wie aus dem Austausch mit weiteren Aufarbeitungsprojekten machen deutlich, dass es einer Fortf\u00fchrung der Aufarbeitung bedarf, insbesondere in Hinblick auf die Fragen danach, wie die-2017)\u201c (Baader et al. 2020, S. 9). Dar\u00fcber hinaus verwenden wir die Begriffe der P\u00e4dophilie und P\u00e4dosexualit\u00e4t mitun- ter in Anlehnung an die gef\u00fchrten Interviews und schlie\u00dfen uns der jeweiligen Begriffsnutzung der betroffenen Per- sonen (siehe unten) an.<br>2&nbsp;Wir verwenden, ebenfalls wie in unserem ersten Ergebnisbericht, den Begriff \u201eExperiment\u201c durchg\u00e4ngig in Anf\u00fch- rungsstrichen, um zu verdeutlichen, dass es sich um einen von Helmut Kentler selbst eingef\u00fchrten Begriff handelt und nicht um die Begriffswahl der Verfasser*innen des Berichts.3&nbsp;Wir m\u00f6chten darauf hinweisen, dass wir auch in der aktuellen Aufarbeitungsphase weiterhin den Netzwerkbegriff aus dem o. g. Ergebnisbericht der vorhergehenden Projektphase verwenden. Wenn wir von Netzwerk sprechen, dann sind damit lose gekoppelte und vor allem informelle Beziehungsstrukturen gemeint, die mehrere Zentren und Orte haben k\u00f6nnen, keine klaren Grenzen haben und quer durch die Institutionen verlaufen. Zudem sind die Akteur*innen in unterschiedlicher Form mit unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten und Interessen in diesem Netzwerk verflochten. Es sind bspw. Unterst\u00fctzer*innen von Personen in der Verwaltung, Politik und in der wissenschaftlichen Gemeinschaft in diesem Netzwerk verflochten, die wiederum selbst gar nicht in der Pflegekinderhilfe oder Heimerziehung aktiv waren oder nicht selbst p\u00e4dophil orientiert waren und sehr unterschiedlich P\u00e4dophilie bzw. P\u00e4dosexualit\u00e4t tolerierten, ak- zeptierten oder mitunter dieser auch indifferent gegen\u00fcberstanden. Der Netzwerkbegriff impliziert nicht, dass es durchg\u00e4ngig einheitliche Intentionen gab. Grundlegend ist die Verflechtung von direkten und indirekten Beziehun- gen, die das Netzwerk ausmacht und den Akteur*innen erm\u00f6glichte und damit dazu verhalf, in den und mit den formalen Infrastrukturen der Jugendwohlfahrt und Kinder- und Jugendhilfe zu wirken. Netzwerke einer P\u00e4dophilen- szene wurden auch in anderen Forschungskontexten identifiziert.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/6113d723-6051-4468-94b6-c29ef5cc24b0\" alt=\"page3image3641883920\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><\/p>\n\n\n\n<p>3<\/p>\n\n\n\n<p>ses Netzwerk sich differenzierter beschreiben l\u00e4sst und wie das Landesjugendamt darin positio- niert ist, d. h. welche organisationalen Verwobenheiten und Verantwortlichkeiten sich rekon- struieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Grund haben die oben genannten Institute ein weiteres Aufarbeitungskonzept erar- beitet \u2013 \u201eHelmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe \u2013 Aufarbeitung der organisationalen Verfahren und Verantwortung des Berliner Landesjugendamtes\u201c. Auf der Grundlage dieses Konzepts wurde eine weitere Forschungszuwendung der Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie (SenBJF) an die Universit\u00e4t Hildesheim zur Aufarbeitung erteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die erste Aufarbeitung wurde am 23. M\u00e4rz 2019 ein Ethikantrag bei der Ethikkommission des Fachbereichs \u201eErziehungs- und Sozialwissenschaften\u201c der Universit\u00e4t Hildesheim gestellt. Am 29. M\u00e4rz 2019 wurde von der Kommission ein positives Votum abgegeben. Aus Sicht der Ethikkommission liegen gegen die Durchf\u00fchrung der Studie keine ethischen Bedenken vor. Die- ses Votum ist aus Sicht der Ethikkommission auch f\u00fcr die aktuelle Aufarbeitung weiterhin g\u00fcl- tig, da es sich um eine Fortsetzung der ersten Aufarbeitung handelt und das Forschungsdesign im methodischen Vorgehen identisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Ziele und Anliegen der Aufarbeitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der bisherigen Argumentation folgend geht es im Rahmen der wissenschaftlichen Aufarbeitung darum, die damaligen organisationalen Strukturen, Verfahren und Verwobenheiten des Berliner Landesjugendamts weiter aufzuarbeiten. Im Fokus der Aufarbeitung steht damit einerseits, die Verfahren, in denen das Landesjugendamt Verantwortung f\u00fcr Kinder und Jugendliche getragen hat, zu rekonstruieren. Andererseits sollen die Verflechtungen des Landesjugendamts mit ande- ren Institutionen und Akteur*innen herausgearbeitet werden. Insbesondere gilt es, das Netz- werk von Akteur*innen weiter aufzuschl\u00fcsseln und zu analysieren, wie p\u00e4dophile Personen, Mitwisser*innen, Unterst\u00fctzer*innen etc. zusammengewirkt haben. Daraus ergeben sich drei zentrale Fragekomplexe:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wie kann die Aufarbeitung die Anliegen von Betroffenen unterst\u00fctzen? Zentral f\u00fcr die Betroffenen ist dabei die Frage nach der Verantwortlichkeit und nach dem Ausma\u00df der \u00dcbergriffe und Grenzverletzungen unter \u00f6ffentlich-organisierter Aufsicht. D. h., wie k\u00f6nnen die zur Verf\u00fcgung stehenden Akten bzw. Daten so aufbereitet werden, um den Betroffenen das f\u00fcr sie relevante Wissen und die f\u00fcr sie relevanten Informationen zur Verf\u00fcgung zu stellen?<\/li><li>Wie lassen sich die verschiedenen Entscheidungsformen und Verl\u00e4ufe der Verfahren, in denen das Landesjugendamt in Fallverantwortung stand, aus einer organisationsanaly- tischen Perspektive rekonstruieren? Insbesondere gilt es zu rekonstruieren, welche or- ganisationalen Akteur*innen in welcher Form in den Verfahren des Landesjugendamts beteiligt waren, zusammengearbeitet und damit grenzverletzende Strukturen m\u00f6glich gemacht haben.<\/li><li>Abschlie\u00dfend gilt es, die Verwobenheiten und Verflechtungen des Landesjugendamts mit anderen Berliner sowie deutschlandweiten Institutionen und Akteur*innen heraus- zuarbeiten, um insbesondere die Struktur bzw. die sich hier andeutenden Netzwerke nachzeichnen und rekonstruieren zu k\u00f6nnen, inwiefern hier p\u00e4dophile Positionen ak- zeptiert, gest\u00fctzt oder auch gelebt wurden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>4<\/p>\n\n\n\n<p><em>Methoden und Vorgehensweise<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um die organisationalen Strukturen, Verfahren und Verwobenheiten des Landesjugendamts in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe analysieren zu k\u00f6nnen, bedarf es der Grundlage verschie- dener Quellen, die \u2013 soweit m\u00f6glich \u2013 aufbereitet und eingesch\u00e4tzt werden m\u00fcssen. Das for- schungspraktische Vorgehen orientiert sich dabei an den vier Forschungsperspektiven, die im Zuge der Aufarbeitung von \u201eHelmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe\u201c entwickelt und sich dabei als zielf\u00fchrend erwiesen haben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Forschungsperspektive I \u2013 Betroffenenbeteiligung und -interviews<\/li><li>Forschungsperspektive II \u2013 Aktenanalyse<\/li><li>Forschungsperspektive III \u2013 Zeitzeugen*inneninterviews<\/li><li>Forschungsperspektive IV \u2013 Fach\u00f6ffentlicher DiskursIm Folgenden werden die vier Forschungsperspektiven mit den entsprechenden Methoden so- wie Vorgehensweisen erl\u00e4utert und erste Zwischenergebnisse der Analyse vorgestellt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3 Zwischenergebnisse \u2013 \u00dcberblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Erstens&nbsp;<\/em>kann auf der Grundlage der Interviews mit Betroffenen und Zeitzeug*innen, der Ak- tenanalysen sowie der jeweiligen Fachdiskurse aufgezeigt werden, dass Helmut Kentler und das beschriebene Netzwerk \u00fcber die Pflegekinderhilfe hinaus in weitere Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe verflochten war und auch dort sexualisierte Gewalt und \u00dcbergriffe stattfanden. Da- mit lassen sich weitere Konstellationen in der Kinder- und Jugendhilfe rekonstruieren, in denen auch Helmut Kentler selbst sowie andere Personen sexualisierte Gewalt ausge\u00fcbt haben. Der ausschlie\u00dfliche Fokus auf die Pflegekinderhilfe ist folglich zu eng und es bedarf der Inblick- nahme u. a. der Jugendgerichts- und Bew\u00e4hrungshilfe, der Adoptionsvermittlung, der kirchli- chen Gemeinde- und Jugendarbeit, von Ferienfreizeiten sowie der sexualp\u00e4dagogischen und ge- schlechterbezogenen Bildungsarbeit. Dieser Fokus ergibt sich, wie oben bemerkt, aus den Inter- views.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zweitens&nbsp;<\/em>machen zwei betroffene Personen deutlich, dass ihnen nicht bekannt ist, inwiefern bei jenen Unterbringungsformen \u00f6ffentliche Dienste involviert waren bzw. inwiefern Helmut Kent- ler mit \u00f6ffentlichen Diensten in Kontakt stand. Insbesondere eine betroffene Person macht sehr deutlich, dass ihre Ferienreisen fernab jeglicher jugendhilferechtlich-formalisierter Verfahren initiiert worden sein m\u00fcssen. Es wurde den jungen Menschen somit kaum transparent gemacht, wie sich die jeweiligen Konstellationen, in denen sie lebten oder an denen sie teilnahmen, orga- nisational verantwortet und legitimiert waren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drittens&nbsp;<\/em>wird ersichtlich, dass jenes Netzwerk, mit dem Helmut Kentler verwoben war, bis in die Gegenwart wirkt. Es wirkt in Form von verschiedenen Akteur*innen bzw. Akteurspositionen. Zun\u00e4chst k\u00f6nnen hier Wissenschaftler*innen genannt werden, die \u2013 so auch ein bisheriges Zwi- schenergebnis der aktuellen Aufarbeitungsphase \u2013 die Schriften Helmut Kentlers weiterhin re- zipiert haben bzw. rezipieren und sich somit weder eindeutig von der Figur Kentler und seinen Positionen und Handlungen distanziert, die \u00fcber ihr Wissen \u00fcber sexualisierte \u00dcbergriffe in die- sem Kontext und dar\u00fcber hinaus nicht berichten, noch sich kritisch mit seinen Positionen und Handlungen auseinandergesetzt haben. Des Weiteren geh\u00f6ren zu diesen Akteur*innen ehema- lige Mitarbeiter*innen der damaligen Jugendwohlfahrt, die das Wirken Helmut Kentlers baga- tellisieren und seine p\u00e4dagogischen Positionen weiterhin heroisieren oder die pers\u00f6nlichen Ver- wobenheiten relativieren. Dies schlie\u00dft auch Vertreter*innen der evangelischen Kirche mit ein,<\/p>\n\n\n\n<p>5<\/p>\n\n\n\n<p>die Gewalt und Grenzverletzungen ignorieren, indem sie auf kritische Anfragen nicht reagieren. Ebenso finden sich Einzelpersonen, die die Positionen Helmut Kentlers nach wie vor bef\u00fcrwor- ten bzw. verteidigen oder bagatellisieren. Diese verschiedenen Akteurs- oder \u201eBystander\u201c4-Posi- tionen erzeugen bei den Betroffenen Gef\u00fchle von Angst bis hin zu Ohnmacht und Hilflosigkeit. Entsprechend verf\u00fcgen auch diese Akteur*innen oder \u201eBystanders\u201c, insbesondere der wissen- schaftlichen und der fachlichen \u00d6ffentlichkeit der Kinder- und Jugendhilfe, bis heute \u00fcber eine Macht, die die Betroffenen bedrohen und der sie ausgesetzt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt l\u00e4sst sich damit eine Entgrenzung des sogenannten \u201eExperiments\u201c konstatieren. Als ein erstes zentrales Ergebnis muss damit festgehalten werden, dass der bisherige Fokus auf die Person Helmut Kentler, auf die Pflegekinderhilfe, auf Berlin und auf die Zeit der 1960er und 1970er Jahre viel zu eng ist und sich stattdessen ein breiteres Netzwerk rekonstruieren l\u00e4sst, wie bereits im vorausgehenden Abschlussbericht dargelegt, das die Positionen Helmut Kentlers ge- duldet, legitimiert, rezipiert und unterst\u00fctzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ein wesentlicher Akteur innerhalb dieses Netzwerks lie\u00df sich dabei das damalige Landesju- gendamt Berlin identifizieren. In dieser Aufarbeitung wird ein besonderer Schwerpunkt auf die- sen Akteur gelegt, da ihm als Aufsichts- und ausf\u00fchrende Beh\u00f6rde einerseits eine besondere Bedeutung in der Ausf\u00fchrung und Erm\u00f6glichung sexualisierter Gewalt, andererseits zugleich die zentrale Verantwortung f\u00fcr den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor einer Kindeswohlge- f\u00e4hrdung zukommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.1 Forschungsperspektive I: Betroffenenbeteiligung und -interviews<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das vorliegende Aufarbeitungsvorhaben geht von einem Recht auf Aufarbeitung aus. Dieses Recht inkludiert die Pflicht von Organisationen, aufzuarbeiten und Verantwortung zu \u00fcberneh- men, auch wenn die \u00dcbergriffe schon weit zur\u00fcckliegen. Dabei ist eine Aufarbeitung von einer organisationsinternen fallbezogenen \u201eFehleranalyse\u201c klar zu unterscheiden, in der vor allem im Rahmen der Qualit\u00e4tsentwicklung verfahrensbezogene Konsequenzen aus aktuellen und ver- gangenen Fallverl\u00e4ufen gezogen werden. Vielmehr wird \u00fcber ein Recht auf Aufarbeitung der Betroffenen f\u00fcr Organisationen, wie die Jugend\u00e4mter und Landesjugend\u00e4mter, eine Pflicht und ein Auftrag f\u00fcr Aufarbeitungsprozesse begr\u00fcndet und \u2013 soweit es geht \u2013 die Betroffenen unter- st\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentral f\u00fcr die Betroffenen ist dabei die Frage nach der Verantwortlichkeit und nach dem Aus- ma\u00df der \u00dcbergriffe und Grenzverletzungen unter \u00f6ffentlich-organisierter Aufsicht. Um das Recht der Betroffenen auf Aufarbeitung zu verwirklichen, gilt es daher, die zur Verf\u00fcgung ste- henden Akten bzw. Daten so aufzubereiten, dass ihnen relevantes und intersubjektiv nachvoll- ziehbares Wissen zur Verf\u00fcgung gestellt werden kann. Ferner gilt es, die Betroffenen \u2013 soweit es diese w\u00fcnschen \u2013 zu beteiligen und ihre Perspektiven, Deutungsmuster und Relevanzsetzungen zu ber\u00fccksichtigen. Insgesamt ist es von grundlegender Bedeutung \u2013 wird dem Anspruch einer<\/p>\n\n\n\n<p>4&nbsp;Der Begriff \u201eBystander\u201c beschreibt eine Person, die von einem grenzverletzenden bzw. gef\u00e4hrlichen Geschehen wei\u00df, jedoch nicht interveniert. Dabei geht die Haltung dieser Person auf die \u201e(&#8230;) Leugnung von Verantwortung bzw. der Zur\u00fcckweisung von Verpflichtungen einem m\u00f6glichen Opfer gegen\u00fcber\u201c zur\u00fcck (Imbusch 2017: 50 f.). Im Kontext der Aufarbeitung verwenden wir diesen Begriff um zu verdeutlichen, dass Akteur*innen der wissenschaftlichen sowie fachlichen \u00d6ffentlichkeit der Kinder- und Jugendhilfe von \u00dcbergriffen sowie Grenzverletzungen durchaus wussten, jedoch nicht interveniert, sondern diese bis heute geduldet und legitimiert haben.<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/2c95dc3d-c36b-4c43-93af-42a4ec6fe207\" alt=\"page6image3640994416\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><\/p>\n\n\n\n<p>6<\/p>\n\n\n\n<p>adressat*innenorientierten Kinder- und Jugendhilfe gefolgt \u2013, das Er- und \u00dcberleben der Be- troffenen in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe \u2013 soweit sie es erlauben \u2013 zu rekonstruieren und als einen fachlichen Ma\u00dfstab der Bewertung anzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Ver\u00f6ffentlichung des Ergebnisberichts der vorausgegangenen Aufarbeitung haben sich beim Forscher*innenteam der Universit\u00e4t Hildesheim drei weitere betroffene Personen gemel- det. Mit den drei betroffenen Personen sowie einer selbst gew\u00e4hlten Vertrauensperson einer betroffenen Person wurde jeweils ein erstes sondierendes Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt. In diesen Gespr\u00e4- chen wurden die Ziele sowie das Vorgehen der Aufarbeitung besprochen und den betroffenen Personen zugesagt, ihnen das vorliegende Aufarbeitungs- sowie Datenschutzkonzept zu ihrer Kenntnis und Zustimmung zukommen zu lassen. Zwei betroffene Personen haben anschlie\u00dfend ihre Zustimmung dazu gegeben, ein Interview mit je zwei der Wissenschaftler*innen zu f\u00fchren.&nbsp;Die dritte betroffene Person hat sich nach der Zusendung des vorliegenden Aufarbeitungs- sowie Datenschutzkonzepts nicht wieder bei den Wissenschaftler*innen der Aufarbeitung gemeldet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gespr\u00e4che und Interviews mit den betroffenen Personen haben insgesamt neue Hinweise in Bezug auf organisationale Strukturen und m\u00f6gliche Verwobenheiten des Landesjugendamts, insbesondere in Hinblick auf das Wirken bzw. die Rolle Helmut Kentlers innerhalb dieser Struk- turen, geliefert und bilden eine wesentliche Grundlage f\u00fcr diesen Zwischenbericht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es soll vorab angemerkt werden, dass das Forscher*innenteam im weiteren Verlauf der Darstel- lung der ersten Zwischenergebnisse ausschlie\u00dflich von \u201ebetroffenen Personen\u201c sprechen wird. Zum einen, um geschlechtliche Vielfalten sowie Besonderheiten zu wahren bzw. keine ge- schlechtlichen Positionierungen vorzunehmen. Zum anderen stehen Aufarbeitungen im Kon- text des normativen Anspruchs, die pers\u00f6nlichen Rechte von Betroffenen zu sch\u00fctzen und damit Anonymit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten. Die Zusicherung gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Anonymit\u00e4t ist geboten, da die betroffenen Personen in beeindruckender Weise ihre massiven \u00c4ngste und ihre Verunsicherun- gen schildern, die Gewalterfahrungen \u00f6ffentlich zu machen und von bestehenden wissenschaft- lichen Netzwerken diffamiert und verletzt zu werden bzw. in \u00f6ffentlichen (wissenschaftlichen, kirchlichen etc.) Kreisen auf Zur\u00fcckweisung zu sto\u00dfen. Die betroffenen Personen machen damit deutlich, dass und inwiefern die Netzwerke auch heute noch existieren und wirken, indem sie bei den betroffenen Personen hohen Druck und \u00c4ngste erzeugen, wenn sie ihre Geschichte und ihr Leid berichten und letztendlich Wissenschaftler*innen oder anderen \u00f6ffentlichen Funkti- onstr\u00e4ger*innen damit vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gespr\u00e4che mit den betroffenen Personen haben verdeutlicht, dass Aufarbeitung keinen his- torischen Schlussstrich setzen kann. Denn Helmut Kentlers P\u00e4dagogik, sein Wirken und sein Handeln sind nicht abgeschlossen; sie wirken in dem Leben und in den Erfahrungen der be- troffenen Personen, der Beteiligten und der Organisationen auf unterschiedlichen Ebenen wei- ter und sind immer auch ein Teil der Gegenwart und der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vorgehen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den Betroffeneninterviews dieser Aufarbeitungsphase geht es einerseits entsprechend des or- ganisationalen Fokus des Aufarbeitungsvorhabens darum, Betroffene nach ihren biographischen Erfahrungen in Bezug auf die Verfahren und Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe und nach dem Wirken von Helmut Kentler innerhalb dieser Verfahren zu fragen. Im Sinne der Auf- arbeitung soll rekonstruiert werden, wann und wie innerhalb dieser Verfahrensstrukturen die pers\u00f6nlichen Rechte der Betroffenen verletzt wurden, um die Erfahrungen der Betroffenen als<\/p>\n\n\n\n<p>7<\/p>\n\n\n\n<p>einen wichtigen Ma\u00dfstab anzuerkennen. Andererseits ist bei den Interviews neben der Gewin- nung von Informationen und der subjektiven Rekonstruktion des Geschehens insbesondere auch zentral, den pers\u00f6nlichen Erfahrungen und dem Leiden sowie der Leidensgeschichte der Betroffenen Raum zu geben und diese durch und mit der subjektiven Erz\u00e4hlung anzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von hoher Wichtigkeit war dabei, gemeinsam mit den betroffenen Personen zu besprechen und auszuloten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>wie es m\u00f6glich sein kann, Helmut Kentler in seinem unmittelbar gewaltsamen Handeln zur \u00f6ffentlichen Verantwortung zu ziehen, ohne dabei jedoch die Rechte der betroffenen Personen zu verletzen, d. h. ohne die betroffenen Personen in irgendeiner Weise zu besch\u00e4digen und jegliche R\u00fcckschl\u00fcsse auf ihre Personen zu verhindern;<\/li><li>wie es m\u00f6glich sein kann, dass weitere (\u00f6ffentliche) Funktionstr\u00e4ger*innen mit ihren P\u00e4dosexualit\u00e4t legitimierenden Einstellungen und u. a. \u00fcbergriffigen sexuellen Handlungen sich in Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe und dar\u00fcber hinaus bewegen konnten und in welchen Verantwortungsstrukturen das \u00fcbergriffige Handeln erm\u00f6glicht wurde;<\/li><li>wie es m\u00f6glich sein kann, der \u00d6ffentlichkeit transparent zu machen, welchem Druck, welchen \u00c4ngsten und welchen Verunsicherungen sich betroffene Personen im Rahmen von Aufarbeitung ausgesetzt f\u00fchlen.Die Form der Interviewf\u00fchrung wurde im Vorfeld mit den betroffenen Personen besprochen. Mit der einen betroffenen Person und ihrer Vertrauensperson wurden mit zwei Forscher*innen des Forscher*innenteams zun\u00e4chst ein Vorgespr\u00e4ch und im Anschluss daran zwei Interviews gef\u00fchrt. Mit der anderen betroffenen Person wurde nach einem telefonischen Vorgespr\u00e4ch mit zwei Forscher*innen des Aufarbeitungsteams ein digitales Interview gef\u00fchrt. Mit beiden betroffenen Personen wurde vereinbart, das Interview als strukturiertes Leitfadeninterview zu gestalten. Vor den Interviews wurden den betroffenen Personen und ggf. ihren Vertrauenspersonen eine Einwilligungs- und Datenschutzerkl\u00e4rung zugesandt.Zu Beginn der Interviews wurden gemeinsam Verabredungen f\u00fcr den Verlauf getroffen. Dazu geh\u00f6rte, dass die betroffenen Personen lediglich das erz\u00e4hlen, was sie auch erz\u00e4hlen m\u00f6chten, und dass sie selbstverst\u00e4ndlich das Recht haben, Fragen des Leitfadens auch nicht zu beantworten. Auch eine Exit-Option \u2013 die M\u00f6glichkeit, das Interview jederzeit zu unter- oder abzubrechen \u2013 wurde stets offengehalten. Der erste Teil der Interviews war insofern offen gestaltet, als dass die betroffenen Personen gebeten wurden, den Forscher*innen zun\u00e4chst zu erz\u00e4hlen, was ihnen wichtig ist und was das Aufarbeitungsteam aus ihrer Sicht wissen sollte. Im zweiten Teil der Interviews wurden die betroffenen Personen gebeten, einige Fragen zu beantworten, die im Hinblick auf Helmut Kentlers Wirken innerhalb der organisationalen Strukturen in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe und dar\u00fcber hinaus von Bedeutung sind. Zum Abschluss der Gespr\u00e4che wurde jeweils die Gelegenheit angeboten, Aspekte anzusprechen, die den betroffenen Personen wichtig waren und \u00fcber die im Verlauf der Interviews noch nicht gesprochen wurde.Methodisch orientiert sich die Auswertung an erprobten Verfahren der qualitativen und historischen Sozialforschung zur Auswertung biographischer Interviews, die darauf zielen, soziale Wirklichkeit zu ordnen, zu verdichten und zu verstehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>8<\/p>\n\n\n\n<p><em>Betroffeneninterview I<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person, mit der die Forscher*innen der Aufarbeitung zwei Interviews gef\u00fchrt ha- ben, lebte in den 1970er Jahren als jugendliche Person bei Helmut Kentler in dessen Wohnung in Berlin. Die betroffene Person stellt sich selbst die Frage, in welcher Form \u2013 also z. B. als Ju- gendhilfema\u00dfnahme \u2013 sie bei Helmut Kentler gelebt hat, da sie dies nicht rekonstruieren kann. Erinnerbar ist f\u00fcr die betroffene Person jedoch, dass sich die eigene Familie in einer prek\u00e4ren Situation befand, als die betroffene Person zu Helmut Kentler gezogen ist. Auch den Mitarbei- ter*innen der Aufarbeitung ist es bis dato nicht gelungen, die vor\u00fcbergehende Unterbringung bei Helmut Kentler organisational zu rekonstruieren. W\u00e4hrend der Zeit bei Helmut Kentler hatte die Person regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt zu ihrer Familie, auch wenn dieser Kontakt als wenig unterst\u00fctzend beschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person berichtet von weiteren jungen Menschen, die bei Helmut Kentler mitun- ter zeitweilig gelebt haben; einen dieser jungen Menschen hat Helmut Kentler adoptiert (aus- f\u00fchrlich hierzu Nentwig 2021). Bei den zeitweilig untergebrachten Jugendlichen handelte es sich zumeist um straff\u00e4llig gewordene junge Menschen aus der Jugendstrafanstalt Pl\u00f6tzensee, die Helmut Kentler zu sich in die Wohnung \u201eholte\u201c, noch bevor deren Strafe abgesessen war. Diese Unterbringungsform sei von Helmut Kentler als \u201eResozialisierungsma\u00dfnahme\u201c gerahmt wor- den, d. h. die Jugendlichen, die \u00fcberwiegend aus prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen stammten, zogen bei Helmut Kentler als eine Ma\u00dfnahme der Resozialisierung im Haushalt ein, wof\u00fcr ihnen stets ein Teil der Haftstrafe erlassen wurde. Zwar habe die Jugendgerichts- und Bew\u00e4hrungshilfe diesem Vorgehen aufgrund des \u201eguten Rufs\u201c von Helmut Kentler zugestimmt, es ist jedoch weiter zu recherchieren, ob Helmut Kentler hierzu eine offizielle Erlaubnis hatte oder ob sich hier eine analoge Struktur zur Pflegestelle Fritz H. (siehe Baader et al. 2020) nachzeichnen l\u00e4sst, \u00fcber die Helmut Kentler sich selbst als Experte inszenierte, um auf diese Weise fernab organisationaler Strukturen Zugang zu jungen Menschen zu generieren und diese bei sich unterzubringen zu k\u00f6nnen.5<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person berichtet, dass sie und die anderen jungen Menschen w\u00e4hrend dieser Zeit bei Helmut Kentler massiven \u00dcbergriffen und sexualisierter Gewalt durch Helmut Kentler selbst ausgesetzt waren. Insbesondere junge Menschen im Alter von 10 bis 14 Jahren bezeichnete Hel- mut Kentler als \u201eseine Favoriten\u201c. Die Hilferufe der betroffenen Person wurden jedoch von Sei- ten der Familie ignoriert. Erst als die betroffene Person \u00e4lter wurde, konnte sie sich gegen die \u00dcbergriffe von Helmut Kentler wehren, indem sie ihn \u201egeschlagen\u201c habe. Ab diesem Zeitpunkt stimmte Helmut Kentler einer R\u00fcckkehr der betroffenen Person in die eigene Familie zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund stellt sich f\u00fcr die betroffene Person die sehr nachvollziehbare Frage, wie Helmut Kentler bis zu seiner Emeritierung an der Universit\u00e4t Hannover trotz seiner eigenen P\u00e4dokriminalit\u00e4t und seiner strafrechtlich nicht erlaubten Positionen lehren konnte und bis zu seinem Tod nie daf\u00fcr belangt wurde. Die betroffene Person geht davon aus, dass das bereits<\/p>\n\n\n\n<p>5&nbsp;Seine Inszenierung als Experte erfolgte dabei, so l\u00e4sst es sich anhand seiner Schriften, insbesondere in seinem Buch \u201eLeihv\u00e4ter\u201c (Kentler 1989) rekonstruieren, einerseits mit Rekurs auf wissenschaftliche Studien, andererseits aber auch auf seine eigenen Erfahrungen mit, von ihm so bezeichneten, \u201everhaltensauff\u00e4lligen Jugendlichen\u201c (ebd.: 140 ff.). Auf- f\u00e4llig ist in diesem Zusammenhang auch Helmut Kentlers Abwertung der Familien der von ihm so bezeichneten Ju- gendlichen. Diese Familien werden von Helmut Kentler f\u00fcr die Sch\u00e4den und Leiden der Jugendlichen verantwortlich gemacht. Diese \u201etiefen Kr\u00e4nkungen\u201c durch die Familie w\u00fcrden, so Kentler, durch die p\u00e4dosexuellen Kontakte und durch die Pflegev\u00e4ter \u201egeheilt\u201c (ebd.: 140).<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/0fa639ef-d07c-4346-8996-5565c2d4ed83\" alt=\"page9image3644406720\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><\/p>\n\n\n\n<p>9<\/p>\n\n\n\n<p>erw\u00e4hnte Netzwerk aus Akteur*innen um die Person Helmut Kentler nicht nur von seinen p\u00e4- dophilen Positionen, seiner Legitimation sexueller Handlungen zwischen Kindern und Erwach- senen und damit seiner Legitimation sexualisierter Gewalt und auch seiner eigenen sexuellen Gewalthandlungen wusste, sondern diese geduldet, gedeckt und damit legitimiert hat. Im Zuge der medialen Berichte, vor allem im Nachgang der Ver\u00f6ffentlichung des Abschlussberichts der vorausgehenden Aufarbeitung, die f\u00fcr die betroffene Person nur schwer auszuhalten und zu le- sen waren, ist es f\u00fcr sie unertr\u00e4glich geworden, dass Helmut Kentlers eigene sexualisierte Ge- walthandlungen bisher nicht \u00f6ffentlich gemacht wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person beschreibt, dass sie bis ins Erwachsenenalter sowohl von Mediziner*innen als auch von Psychotherapeut*innen in der Erz\u00e4hlung ihres Leids in der Kindheit und Jugend nicht ernst genommen wurde. Das Aufbringen des Mutes, diese Stellen aufzusuchen, sich diesen Stellen zu \u00f6ffnen und zu berichten, was zuvor f\u00fcr die betroffene Person unsagbar war und teil- weise heute noch ist, und gleichzeitig dort &#8211; in einem vermeintlich gesch\u00fctzten Rahmen \u2013 eine solche Zur\u00fcckweisung zu erfahren, war f\u00fcr die betroffene Person massiv belastend. Die be- troffene Person verdeutlicht, dass sie lange Zeit nicht wusste, an wen sie sich mit ihren Erfah- rungen und ihrem Wissen h\u00e4tte wenden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt gilt es \u2013 den Berichten der betroffenen Person folgend \u2013 als eine weitere organisatio- nale Struktur, die Verfahren der Jugendgerichts- und Bew\u00e4hrungshilfe in Hinblick auf die Ver- letzungen der Rechte von jungen Menschen aufzuarbeiten. Dies bedeutet, zu rekonstruieren, wie Akteur*innen wie Helmut Kentler durch Gutachten und Fremdunterbringungen im Rahmen von Resozialisierungsma\u00dfnahmen Gewalt und Grenzverletzungen begangen und\/oder erm\u00f6g- licht haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Betroffeneninterview II<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus gilt es, den fallbezogenen Hinweisen der weiteren betroffenen Person nachzu- gehen, dass Helmut Kentler und die \u201eKreise\u201c um ihn auch in die kirchliche Gemeindearbeit hin- einreichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person berichtet im Rahmen eines Interviews sowie vor- und nachgehenden Te- lefonaten aus dem Kontext einer evangelischen Kirchengemeinde in West-Deutschland, in der sie \u00fcber ein Familienmitglied im Jugendalter Anschluss fand. Die Anerkennung, die die be- troffene Person in der Kirchengemeinde erfuhr, bekam sie weder in ihrer Familie noch von Gleichaltrigen, sondern von einzelnen p\u00e4dosexuellen M\u00e4nnern, auf die sie in dieser Kirchenge- meinde traf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person berichtet von Kontakten zu diesen p\u00e4dosexuellen M\u00e4nnern. Sie macht deutlich, dass sich die M\u00e4nner untereinander kannten und von der kirchlichen Gemeinde auch ohne eine bekannte offizielle Gruppe \u2013 anders als bspw. \u201eM\u00e4nnerkreise\u201c, \u201eAltenkreise\u201c oder \u201eho- mosexuellen Gruppen\u201c, die monatlich in der Kirchengemeinde angeboten wurden \u2013 Unterst\u00fct- zung erfuhren. Durch die Unterst\u00fctzung, die die M\u00e4nner erfuhren, entstand f\u00fcr die betroffene Person der Eindruck, dass diese M\u00e4nner aufgrund ihrer P\u00e4dophilie bzw. P\u00e4dosexualit\u00e4t einer \u201eOpfergruppe\u201c angeh\u00f6ren bzw. als \u201eunterdr\u00fcckte Minderheit\u201c gerahmt und hergestellt wurden.6&nbsp;Die betroffene Person berichtet weiter, dass sie des \u00d6fteren bei einzelnen dieser p\u00e4dosexuellen<\/p>\n\n\n\n<p>6&nbsp;Der Diskurs um die Legitimation von P\u00e4dophilie der 1970er und 1980er Jahre war dadurch gekennzeichnet, dass P\u00e4dophile als \u201eOpfergruppe\u201c und als \u201eBetroffene\u201c bezeichnet wurden (vgl. Baader 2017). Die Einordnung der betroffe- nen Person macht deutlich, dass dieser Diskurs wirkte und zu dieser Umkehr bei der Einsch\u00e4tzung beitrug.<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/e171365c-3bc0-4adc-be28-433e13d68ee7\" alt=\"page10image3644824560\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><\/p>\n\n\n\n<p>10<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner zu Hause war und mit ihnen auf Reisen ging. Im Kontext dessen kam es zu sexualisierter Gewalt, wor\u00fcber sie sich jedoch \u201ekeine gro\u00dfen Gedanken gemacht\u201c hat, da die M\u00e4nner Zeit f\u00fcr sie hatten und durch ihr Umfeld stets als \u201edie Guten\u201c gerahmt wurden, weshalb ein intendiert \u00fcbergriffiges Handeln \u201eunm\u00f6glich\u201c sein konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sich selbst beschreibt die betroffene Person zur damaligen Zeit als auf verschiedenen Ebenen benachteiligt und verdeutlicht, dass die m\u00e4nnlichen Personen diese Lage ausnutzten. In dieser Ausnutzung von Benachteiligungspositionen zeigt sich eine gemeinsame Struktur der bisher untersuchten F\u00e4lle.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese M\u00e4nner aus der Kirchengemeinde machten die betroffene Person u. a. mit verschiedenen Vereinen und Institutionen, die explizit Homosexuelle adressierten, bekannt. In einem dieser Vereine \u2013 so berichtet die betroffene Person weiter \u2013 wurde ein sogenannter P\u00e4dophilenstamm- tisch eingerichtet, sodass die betroffene Person hier\u00fcber Ber\u00fchrungspunkte mit \u201eder P\u00e4dophi- lenszene\u201c hatte. Aus heutiger Sicht benennt die betroffene Person, dass es, unter dem Deckman- tel der F\u00fcrsorge, prim\u00e4r um sexualisierte Gewalt und Ausbeutung ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gemeindemitglied der Kirche wird durch die betroffene Person mehrfach im Interview als ein zentraler Akteur beschrieben. Das Gemeindemitglied war laut der betroffenen Person \u00f6f- fentlich zum Thema Homosexualit\u00e4t aktiv und ebenso Sexualberater in der Kirchengemeinde. Die betroffene Person berichtet zudem von einer weiteren Person, deren P\u00e4dophilie allgemein- hin in der Kirchengemeinde bekannt war. Diese p\u00e4dophile Person hatte ein Pflegekind bei sich aufgenommen und suchte in der Kirchengemeinde Unterst\u00fctzung hinsichtlich des noch unkla- ren weiteren Verbleibs des Kindes bei ihr. So berichtet die betroffene Person diesbez\u00fcglich von Gespr\u00e4chen zwischen dem zentralen Kirchengemeindemitglied und der p\u00e4dophilen Person zu Themen wie Adoption und \u201eKinderf\u00fcrsorge\u201c. Auch Helmut Kentler war \u00fcber das zentrale Kir- chengemeindemitglied mit der p\u00e4dophilen Person bekannt. Allerdings ist unklar, wie oder wo der Kontakt zwischen diesen drei Personen\/Akteuren entstand. Inwiefern es zu \u00dcbergriffen sei- tens des Pflegevaters gegen\u00fcber dem Pflegekind kam oder in welcher Weise das Pflegeverh\u00e4ltnis in Jugendhilfestrukturen eingebettet war, ist ebenfalls unklar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betroffene Person berichtet au\u00dferdem, dass das zentrale Gemeindemitglied der Kirche ein sehr gutes Verh\u00e4ltnis zu Helmut Kentler selbst pflegte, weshalb dieser auch einige Male die evangelische Gemeinde besuchte und so sporadische Kontakte zwischen Helmut Kentler und der betroffenen Person entstanden. Helmut Kentler hielt auch Vortr\u00e4ge zu verschiedenen The- matiken in der Kirchengemeinde und stand den Zuh\u00f6rer*innen \u201eFrage und Antwort\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hinweise der betroffenen Person im Interview beziehen sich nicht nur auf&nbsp;<em>eine&nbsp;<\/em>evangelische Kirchengemeinde, sondern gehen dar\u00fcber hinaus. So benennt die betroffene Person weitere Ak- teur*innen und Institutionen, die p\u00e4dophile Positionen gest\u00fctzt haben. In nahegelegenen St\u00e4d- ten in West-Deutschland suchte die betroffene Person bspw. im Jugendalter verschiedene Zen- tren, Vereine, Beratungsstellen und Lokalit\u00e4ten auf, deren Programmatiken teilweise explizit an Jugendliche gerichtet waren. Die betroffene Person berichtet, dass P\u00e4dophile bzw. P\u00e4dosexuali- t\u00e4t legitimierende Standpunkte in vielen dieser Institutionen bef\u00fcrwortet wurden. Hier stie\u00df die betroffene Person ebenfalls auf Akteur*innen des p\u00e4dosexuellen Kreises der Heimatkirchenge- meinde. Helmut Kentler war dabei ebenfalls eine Figur, auf die die betroffene Person immer wieder, auch im Erwachsenenalter, an verschiedenen Orten getroffen ist, so etwa auch in Verei- nen und Lokalit\u00e4ten in Hannover.<\/p>\n\n\n\n<p>11<\/p>\n\n\n\n<p>Die gesamten Erz\u00e4hlungen rahmt die betroffene Person mit den historischen Gegebenheiten der damaligen Zeit (\u201eEmanzipationsbewegungen\u201c mit Blick auf Homosexualit\u00e4t oder \u201eKirche von unten\u201c), die es aus ihrer Sicht verunm\u00f6glichten, P\u00e4dophilie bzw. P\u00e4dosexualit\u00e4t legitimierende Positionen und Praktiken zu hinterfragen bzw. hinterfragen zu d\u00fcrfen. Erst durch die wissen- schaftliche Aufarbeitung und Forschung, wie bspw. durch Teresa Nentwig, erschloss sich f\u00fcr die betroffene Person ein Netzwerk, in das verschiedene Akteur*innen und Institutionen eingebet- tet bzw. verwoben waren. So ist die betroffene Person auch noch in j\u00fcngster Zeit bspw. in einer bekannten Bildungseinrichtung in West-Deutschland auf eine Person getroffen, die P\u00e4dophilie bzw. P\u00e4dosexualit\u00e4t legitimierende Positionen nicht kritisch hinterfragt, sondern vielmehr die Figur und Positionen Helmut Kentlers \u201everteidigt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Verlautbarte Zweifel und Kritik seitens der betroffenen Person an dem Wirken der Kirchenge- meinde und an P\u00e4dophilie sowie P\u00e4dosexualit\u00e4t legitimierenden Positionen wurden und werden jedoch nach ihren Aussagen teilweise bis in die heutige Zeit hinein sowohl im famili\u00e4ren als auch in \u00f6ffentlichen Kreisen nicht ernst genommen. Dies, so die betroffene Person, betrifft auch die eigenen geschilderten Missbrauchserfahrungen. Jahre sp\u00e4ter traf sie in einer Lokalit\u00e4t zuf\u00e4llig auf das genannte zentrale Kirchengemeindemitglied und sprach die eigenen Missbrauchserfah- rungen offen an. Das Gespr\u00e4ch erweckte bei der betroffenen Person den Eindruck, dass das da- malige eigene Handeln unhinterfragt blieb. Eher wird die betroffene Person selbst als \u201ekranke\u201c Person beschrieben, der nicht geglaubt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches erfuhr die betroffene Person bei der Konfrontation eines anderen hochrangigen Kir- chengemeindemitglieds. Bei Erz\u00e4hlungen der eigenen sexualisierten Gewalterfahrungen stie\u00df und st\u00f6\u00dft die betroffene Person auf Verantwortungsabweisung und Leugnung derartiger \u00dcber- griffe durch benannte Personen im Kirchenkontext.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Missbrauchserfahrungen, aber auch Positionierungen wie diese, wirken noch heute im Le- ben der betroffenen Person nach und werfen f\u00fcr sie insbesondere die Frage auf, \u201ewie da so weg- gesehen wurde\u201c \u2013 vor allem vor dem Hintergrund der \u201enicht ganz unbedeutenden\u201c, auch \u201estu- dierten\u201c Menschen, die darin involviert waren und p\u00e4dosexuelle Gewalt und \u00dcbergriffe gedul- det, legitimiert und unterst\u00fctzt haben. Damit werden in den Erz\u00e4hlungen der betroffenen Per- son Machtstrukturen sichtbar, die bis heute durch anerkannte und z. T. \u00f6ffentlich bekannte Funktionstr\u00e4ger*innen, wie Kirchenmitglieder und Wissenschaftler*innen, erhalten werden. Die betroffene Person bezeichnet diese Strukturen als \u201eSelbstverwalter\u201c, denn \u2013 mit Blick auf die Wissenschaft \u2013 \u201edann ist es nicht mehr wissenschaftlich, dann ist das wie so eine Blase und dann wird nicht mehr genau geguckt, was passiert da eigentlich?\u201c Gleiches gilt f\u00fcr die kirchlichen Strukturen, im Kontext derer die betroffene Person aus Gespr\u00e4chen berichtet, dass die Schilde- rungen und ihre Zweifel unvereinbar mit dem kirchlichen Standing und dem \u201eGlaube an das Gute\u201c seien.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Forscher*innenteam gilt es, diesen Hinweisen auf verschiedene Orte, spezifische Insti- tutionen und Personen weiter nachzugehen, um die Erm\u00f6glichungsstrukturen rekonstruieren zu k\u00f6nnen. Erz\u00e4hlungen wie diese machen deutlich, dass das Anliegen der Aufarbeitung nicht reduzierbar ist auf die Betrachtung von Kinder- und Jugendhilfestrukturen. Es wird deutlich, dass jene Netzwerke in Strukturen der evangelischen Kirche, u. a auch in Strukturen von Bil- dungseinrichtungen, hineinreichen und diese Str\u00e4nge nicht losgel\u00f6st voneinander betrachtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>12<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.2 Forschungsperspektive II: Aktenanalyse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um die verschiedenen Verwobenheiten des Netzwerks und darin die Rolle des damaligen Berli- ner Landesjugendamts auch \u00fcber Berlin hinaus rekonstruieren zu k\u00f6nnen, wurden bzw. werden in einem ersten Schritt verschiedene Sorten von Akten analysiert. Hierbei handelt es sich um<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Fallakten der Kinder- und Jugendhilfe in der Fallverantwortung des damaligen Landes- jugendamts (FE und FEH),<\/li><li>Kinder- und Jugendhilfeakten in der Fallf\u00fchrung lokaler Jugend\u00e4mter in Deutschland,<\/li><li>Fallakten bei freien Tr\u00e4gern der Kinder- und Jugendhilfe sowie um<\/li><li>Aktenbest\u00e4nde verschiedener Archive (Landesarchiv Berlin, Hessisches Staatsarchiv,Stadtarchiv G\u00f6ttingen und Nieders\u00e4chsisches Landesarchiv).Bevor im weiteren Verlauf erste Zwischenergebnisse pr\u00e4sentiert werden, sollen zun\u00e4chst die un- terschiedlichen Quellentypen der Akten und der Prozess der Erschlie\u00dfung ausf\u00fchrlicher be- schrieben werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3.2.1 Kinder- und Jugendhilfeakten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Akten der F\u00fcrsorgeerziehung (FE) bzw. der Freiwilligen Erziehungshilfe (FEH) in der Fallf\u00fchrung des Landesjugendamts Berlin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Berliner Leitfaden zur Akteneinsicht von 2014 (Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Wissenschaft 2014) wurde offensichtlich, dass in der Berliner Senatsverwaltung ein Akten- bestand von 1150 personenbezogenen Akten der F\u00fcrsorgeerziehung (FE) bzw. der Freiwilligen Erziehungshilfe (FEH) vorhanden ist. F\u00fcr diese Aufarbeitung wurde davon ausgegangen, dass sich \u00fcber diese Akten nicht nur die organisationalen Verfahren des Landesjugendamts, sondern auch die Beziehungen und Verbindungen des Netzwerks aufschlie\u00dfen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Akten unterliegen datenschutzrechtlich dem Sozialgesetzbuch. F\u00fcr eine Einsicht wurde folglich ein Antrag nach \u00a7 75 Abs. 1 SGB X \u2013 \u00dcbermittlung von Sozialdaten f\u00fcr Forschung und Planung \u2013 bei der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde, der Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie in Berlin, gestellt. Der komplexe Prozess der Erarbeitung dieses Antrags sowie zugeh\u00f6riger An- lagen (Informationsschreiben, Einwilligungserkl\u00e4rung, Datenschutzerkl\u00e4rung) erfolgte in enger Abstimmung mit der Datenschutzbeauftragten des Landes Berlin, deren Anmerkungen in den Antrag stets eingearbeitet wurden. Der Antrag wurde von der Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie in Berlin genehmigt. Folgendes Vorgehen wird in dem Antrag festgelegt:<\/p>\n\n\n\n<p>1) Erschlie\u00dfung<\/p>\n\n\n\n<p>Um aus den ca. 1150 Akten ein Sample aus ca. 30 Akten bei gleichzeitiger Wahrung datenschutz- rechtlicher Bestimmungen zu generieren, wurde wie folgt vorgegangen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022&nbsp;Da aus datenschutzrechtlichen Gr\u00fcnden die Forscher*innen nicht selbst eine Sondie- rung der Akten vornehmen durften, wurde das Verfahren entwickelt, dass zwei Mitar- beitende des Instituts f\u00fcr Sozial- und Organisationsp\u00e4dagogik der Universit\u00e4t Hildes- heim, die explizit nicht Teil des Forscher*innenteams der Aufarbeitung sind, von dem Forscher*innenteam f\u00fcr die Sondierung der Akten geschult wurden. Dar\u00fcber hinaus wurde ein Suchraster erarbeitet, nach dem die ca. 1150 Akten von den beiden Mitarbei- ter*innen sondiert werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>13<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Zugeh\u00f6rigkeit der zwei Sondierenden zum Institut f\u00fcr Sozial- und Organisationsp\u00e4- dagogik war erforderlich und angemessen, da diese einerseits \u00fcber eine besondere in- haltliche sowie analytische Expertise verf\u00fcgen, der es f\u00fcr eine z\u00fcgige Sichtung sowie Sor- tierung der Aktenanzahl bedarf. Andererseits besteht zwischen diesen beiden Mitarbei- tenden und dem Forschungsteam, insbesondere Prof. Dr. Wolfgang Schr\u00f6er und Prof. Dr. Meike Sophia Baader, kein Direktionsrecht, d. h. die beiden Mitarbeitenden sind nicht im Projektzusammenhang weisungsgebunden.<\/li><li>F\u00fcr die Sichtung der Akten wurde ein Auftragsverarbeitungsvertrag zwischen der Se- natsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie Berlin und der Universit\u00e4t Hildesheim gem\u00e4\u00df Art. 28 DSGVO und gem\u00e4\u00df \u00a7 80 SGB X geschlossen. In diesem Vertrag beauftragt die Senatsverwaltung die Universit\u00e4t Hildesheim mit der Sondierung der Akten bzw. Dokumente.<\/li><li>Die beiden Mitarbeitenden des Instituts f\u00fcr Sozial- und Organisationsp\u00e4dagogik, die mit der Sichtung und Auswahl der zu analysierenden Akten beauftragt wurden, haben im Zusammenhang mit der Auftragsverarbeitung eine Verschwiegenheits- sowie Befangen- heitserkl\u00e4rung unterschrieben, die sowohl in der Universit\u00e4t Hildesheim als auch in der Senatsverwaltung hinterlegt wurde.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>2) Anonymisierung<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Nach der Auswahl von bis zu \u2013 Stand jetzt \u2013 30 Akten haben die beiden sondierenden Mitarbeiter*innen des Instituts f\u00fcr Sozial- und Organisationsp\u00e4dagogik die Akten einer bei der Senatsverwaltung angestellten Person, die die Akten f\u00fcr das Forscher*innenteam anonymisiert und aufbereitet, \u00fcbergeben. Auch die Person, die die Anonymisierung durchf\u00fchrt, darf sp\u00e4ter nicht in die Analyse der Akten eingebunden sein. Zus\u00e4tzlich wird ihre Schweigepflicht schriftlich eingeholt.<\/li><li>Vor \u00dcbermittlung zur Analyse an das Forscher*innenteam werden die Akten bzw. Do- kumente so anonymisiert, dass genannte Privatpersonen nicht identifizierbar sind. Ins- besondere werden alle Namen, Orte und weitere Hinweise, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf sonstige Privatpersonen zulassen, geschw\u00e4rzt.<\/li><li>Soweit Personen, die als Fachkr\u00e4fte in den Fall eingebunden oder als Professionelle oder Dienstleister*in, z. B. im Rahmen der Fallbearbeitung, offiziell beauftragt waren, sowie Funktionstr\u00e4ger*innen, Personen des \u00f6ffentlichen Lebens und Entscheidungstr\u00e4ger*in- nen in unterschiedlichen organisationalen Zusammenh\u00e4ngen in den Akten benannt werden, wird davon ausgegangen, dass die \u00dcbermittlung der Akten ohne eine Einwilli- gung und ohne Anonymisierung in der Regel durch die allgemeine Forschungsklausel in \u00a7 17 des Berliner Datenschutzgesetzes gedeckt ist. Anhand dieser Akten soll die Aufkl\u00e4- rung der organisationalen Strukturen erfolgen, die Teil des Forschungszwecks ist und ohne Kenntnis der handelnden Personen nicht m\u00f6glich sein d\u00fcrfte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>3) Aktenanalyse \u2013 \u00fcberblicksartige erste Erkenntnisse<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit befindet sich das Forscher*innenteam in der Analyse der zur Verf\u00fcgung gestellten ano- nymisierten Akten. In Hinblick auf die Rekonstruktion des Netzwerks und darin die Rolle des damaligen Berliner Landesjugendamts auch \u00fcber Berlin hinaus lassen sich bislang folgende erste Ergebnisse zusammenfassen:<\/p>\n\n\n\n<p>14<\/p>\n\n\n\n<p>3.<\/p>\n\n\n\n<p>4.<\/p>\n\n\n\n<p>5.<\/p>\n\n\n\n<p>6.<\/p>\n\n\n\n<p>7&nbsp;Auch ments\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1.<\/p>\n\n\n\n<p>2.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ein zentrales Ergebnis kann zun\u00e4chst festgehalten werden, dass die bisher vorliegen- den Fallakten unterschiedliche Bez\u00fcge \u00fcber Berlin hinaus aufweisen. Zwar bleiben die Akten stets in der Fallf\u00fchrung des Berliner Landesjugendamts, jedoch sind vielf\u00e4ltige Akteur*innen auch \u00fcber Berlin hinaus am Hilfeverlauf beteiligt. So lassen sich z. B. Un- terbringungen in den Martin-Bonhoeffer-H\u00e4usern in T\u00fcbingen oder auch bei dem be- reits im vorausgehenden Ergebnisbericht beschriebenen Professor in West-Deutschland nachzeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang deutet sich als ein weiteres Ergebnis an, dass die Rolle der lokalen Jugend\u00e4mter in diesen Fallverl\u00e4ufen zumindest als diffus \u2013 als verschwommen, bzw. in ihrer Zust\u00e4ndigkeit im Handeln als nicht klar positioniert &#8211; beschrieben werden kann. Hierf\u00fcr finden sich Hinweise in den Akten selbst, etwa wenn die entsprechend lokalen Jugend\u00e4mter in West-Deutschland postalisch direkt beim Landesjugendamt nach Mitteilung und Best\u00e4tigung \u00fcber die von ihnen erteilte Pflegeerlaubnis bitten und dadurch ersichtlich wird, dass es zu einem Vers\u00e4umnis in der Unterrichtung seitens des Landesjugendamts kam. Die Nachforschungen des Forscher*innenteams in diversen Ju- gend\u00e4mtern in West-Deutschland (siehe unten) sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Drittens wird f\u00e4llt auf, dass sich alleinstehende M\u00e4nner aus West-Deutschland junge Menschen aus Berlin, insbesondere aus dem Haus Tegeler See, \u201eausgesucht\u201c haben, die sie bei sich in Pflege oder Sonderpflege genommen haben. Dies war m\u00f6glich, da pers\u00f6n- liche Netzwerke durch die unterschiedlichen Institutionen bestanden. Gemeinsamkei- ten dieser M\u00e4nner konnten in den Akten zudem in der gezielten Nutzung pers\u00f6nlich- privater Beziehungen (auch zu Mitarbeitenden der Jugendhilfe), in einem gemeinsamen Fachverst\u00e4ndnis und in ihren machtvollen Positionen (Mitarbeiter des Senats, Einrich- tungsleiter, Professor) gefunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Netzwerk wirkt auch insofern, als dass Akteur*innen des Netzwerks sowohl als F\u00fcrsprecher*innen agieren und dabei die Einrichtung von Pflegestellen und sog. Wohn- gemeinschaften erm\u00f6glichen als auch letztendlich die Fallkommunikation \u00fcbernehmen, d. h. diese in gro\u00dfen Teilen nicht mehr vom Landesjugendamt bzw. deren Mitarbei- ter*innen gesteuert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Haus Tegeler See scheint eine zentrale Rolle zu spielen, da es in verschiedensten Akten vorkommt, dass zumeist von dort aus die Kinder und Jugendlichen in West- Deutschland untergebracht wurden. Dar\u00fcber hinaus wurden vom Haus Tegeler See aus- gehend unterschiedliche \u201ep\u00e4dagogische Experimente\u201c initiiert, in der Form, als dass bei alleinstehenden m\u00e4nnlichen Mitarbeitern des Hauses Sonderpflegestellen eingerichtet oder intensivp\u00e4dagogische Ferienfreizeiten \u00fcber mehrere Monate begleitet von Studie- renden der Sozialen Arbeit finanziert wurden.7<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt deutet sich an, dass das Landesjugendamt seine Rolle als p\u00e4dagogischer Ge- stalter von Schutzma\u00dfnahmen und Hilfeverl\u00e4ufen nicht hinreichend ausgef\u00fcllt hat. Dies bedeutet, \u2013 so l\u00e4sst sich bis zum jetzigen Zeitpunkt aus den Akten rekonstruieren \u2013 dass das Landesjugendamt seiner (\u00f6ffentlichen) Fallverantwortung nicht ausreichend nach- gekommen ist, indem keine p\u00e4dagogische Kontrolle ausge\u00fcbt wurde. Diese Kontrolle umfasst zum einen, dass die \u00f6ffentliche Verantwortung besteht, dass in Betreuung gege-<\/p>\n\n\n\n<p>in unserem Ergebnisbericht zur ersten Aufarbeitung haben wir herausgearbeitet, dass der Begriff des \u201eExperi- im Kontext der Heim- und Bildungsreformen positiv konnotiert wurde und als \u201eReformtr\u00e4ger\u201c galt.<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/e23c6d88-a23d-44de-81c6-8d93e47ce62b\" alt=\"page15image3646808320\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><\/p>\n\n\n\n<p>15<\/p>\n\n\n\n<p>benen Personen nichts passiert, zum anderen aber auch, dass keine p\u00e4dagogischen Vor- gaben gemacht wurden. So gibt es erste Hinweise darauf, dass vielmehr einzelne Ak- teur*innen des Netzwerks die Kontrolle \u00fcber Teile der Kinder- und Jugendhilfe \u00fcberneh- men konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Akten in der Fallf\u00fchrung der Jugend\u00e4mter<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Analyse der Akten, \u00fcber die Gespr\u00e4che mit den Betroffenen und weiteren Zeitzeug*in- nen sowie \u00fcber die Rezeption des fach\u00f6ffentlichen Diskurses wurde deutlich, dass auch in den lokalen Jugend\u00e4mtern Fallakten zu finden sein m\u00fcssen, die das Netzwerk weiter aufschl\u00fcsseln und Verbindungen nach Berlin erkennen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher wurden insgesamt acht Jugend\u00e4mter (auch teilweise jeweils Stadt und Region bzw. Kreis) angefragt und ihre Archive und Best\u00e4nde sowohl nach den Namen der Pflegestellen, in denen es zu (sexualisierter) Gewalt gekommen ist (wie z. B. die Pflegestelle Helmut Kentler) als auch nach Akten von Betroffenen durchsucht. Die Nennung der Namen geschah dabei einerseits unter Ein- willigung der Betroffenen selbst und andererseits nach Beratungen mit ausgewiesenen Rechts- expert*innen hinsichtlich der Nennung von Namen von Personen, von denen keine Einwilligung mehr eingeholt werden kann, und dies unter besonderen Bedingungen als datenschutzrechtlich zul\u00e4ssig gilt. Es gilt als datenschutzrechtlich zul\u00e4ssig, da es unter verschiedenen Verh\u00e4ltnism\u00e4- \u00dfigkeitsabw\u00e4gungen zu begr\u00fcnden ist:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es wurde mit den Jugend\u00e4mtern ein Verfahren vereinbart, dass diese nach den entspre- chenden Namen suchen und im Fall, dass eine Akte gefunden wird, diese anonymisiert wird und f\u00fcr die Forscher*innen nicht mehr nachvollziehbar sein wird, um welche Akte es sich handelt.<\/li><li>Der Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht von betroffenen Privatper- sonen wird als gering eingestuft, sodass dieses Vorgehen auch ohne Einwilligung der betroffenen Privatpersonen m\u00f6glich ist.<\/li><li>Die entsprechenden Akten, in die Einsicht beantragt wird, sind mindestens 30 Jahre alt, sodass es nicht m\u00f6glich ist, die Adressen der Privatpersonen ausfindig zu machen, um ihre Einwilligung einzuholen.<\/li><li>Dar\u00fcber hinaus ist dieses Vorgehen durch das \u00f6ffentliche Interesse an der Forschung zu rechtfertigen. Es geht um die Aufarbeitung (sexualisierter) Gewalt an Kindern und Ju- gendlichen in \u00f6ffentlicher Verantwortung des Landesjugendamts Berlin mit Fokus auf strukturelle Defizite im Kontext des staatlichen Schutzauftrags.Die Mitarbeitenden der Jugend\u00e4mter haben dar\u00fcber hinaus Verschwiegenheitserkl\u00e4rungen un- terschrieben. Bis dato befinden sich einzelne Jugend\u00e4mter noch in der Recherche. Zum aktuel- len Zeitpunkt ist zu vermerken, dass bislang in lediglich zwei Jugend\u00e4mtern weiterf\u00fchrende Hinweise oder entsprechende Akten gefunden wurden. Diesen Hinweisen wird derzeit weiter nachgegangen. Insbesondere gilt es, ein Datenschutzkonzept zu erarbeiten, um in die entspre- chenden Akten Einsicht nehmen zu k\u00f6nnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>16<\/p>\n\n\n\n<p><em>Weitere Fallakten bei freien Tr\u00e4gern der Kinder- und Jugendhilfe<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ergaben sich \u00fcber die Analyse der Fallakten sowie \u00fcber einen Austausch mit dem Aufarbeitungsprojekt \u201eP\u00e4dagogische N\u00e4he und m\u00f6gliche sexuelle Grenzverletzungen \u2013 wis- senschaftliche Aufarbeitung der Jahre 1976 \u2013 1983 bei den Martin-Bonhoeffer-H\u00e4usern T\u00fcbin- gen\u201c&nbsp;8&nbsp;durch das IPP M\u00fcnchen Hinweise, dass es in mehreren F\u00e4llen Verwobenheiten zwischen dem Berliner Landesjugendamt, Pflegestellen in West-Deutschland und den \u201eSozialtherapeuti- schen Wohngruppen\u201c9&nbsp;bzw. den \u201eT\u00fcbinger Jugendwohngruppen\u201c unter der Leitung Martin Bon- hoeffers sowie der Person Martin Bonhoeffer10&nbsp;selbst gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde daraufhin nach \u00a7 75 Abs. 1 SGB X bei der zust\u00e4ndigen obersten Landesbeh\u00f6rde Baden- W\u00fcrttembergs, dem Ministerium f\u00fcr Soziales, Gesundheit und Integration Baden-W\u00fcrttem- berg, die Einsicht in zwei konkrete Fallakten beantragt, die in den H\u00e4usern der heutigen \u201ekit Jugendhilfe\u201c lagern und in denen die oben beschriebenen Verwobenheiten dokumentiert sind. Der Antrag wurde am 28.10.2022 genehmigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.2.2 Archive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Parallel zur Analyse der Fallakten wurde zudem in den Best\u00e4nden verschiedener Archive recher- chiert. Die Auswertung der Archivbest\u00e4nde befindet sich derzeit noch im Analyseprozess, wes- halb an dieser Stelle lediglich die Vorgehensweise dargelegt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Best\u00e4nde des Landesarchivs Berlin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Landesarchiv Berlin archiviert u. a. Unterlagen von Berliner Beh\u00f6rden und Institutionen. Zentral sind f\u00fcr die Aufarbeitung solche Best\u00e4nde, \u00fcber die sich eine Rekonstruktion der Ver- antwortung und der Verwobenheiten des Berliner Landesjugendamts seit den 1960er Jahren er- arbeiten l\u00e4sst. Dazu z\u00e4hlen Dokumente, Strukturen, Regelungen, Vorschriften, Verfahren und deren Ver\u00e4nderungen sowie damit einhergehende Aushandlungsprozesse, die m\u00f6glicherweise Kontroversen aufzeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitarbeiter*innen des Landesarchivs Berlin wurden gebeten, die Best\u00e4nde nach verschiede- nen Schlagworten zu durchsuchen. Zu diesen Schlagworten z\u00e4hlen Begriffe, bei denen anzuneh- men ist, dass sie Verantwortlichkeiten des Landesjugendamts abbilden und\/oder, dass sie Ver- wobenheiten zu anderen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe aufweisen. Beispielhaft seien<\/p>\n\n\n\n<p>8&nbsp;N\u00e4here Informationen zu dem Projekt finden sich unter:&nbsp;https:\/\/www.ipp-muenchen.de\/praxisforschung\/tuebin- gen-paedagogische-naehe-und-moegliche-sexuelle-grenzverletzungen&nbsp;(Letzter Zugriff: 11.10.2022).<br>9&nbsp;Zun\u00e4chst hie\u00df die Einrichtung \u201eSozialtherapeutische Wohngruppen\u201c. Martin Bonhoeffer wird ab 1976 Leiter. Ab 1982 wurde die Einrichtung in &#8222;T\u00fcbinger Jugendwohngruppen&#8220; umbenannt. 1991, nach dem Tod Martin Bonhoeffers, trug die Einrichtung den Namen &#8222;Martin-Bonhoeffer-H\u00e4user&#8220;. Nach den Vorw\u00fcrfen um Martin Bonhoeffer hei\u00dft die Einrichtung seit 2020 \u201ekit Jugendhilfe\u201c. Ausf\u00fchrlicher siehe:&nbsp;https:\/\/www.kit-jugendhilfe.de\/einrichtung\/entwicklun- gen-vereinsgeschichte&nbsp;(Letzter Zugriff: 11.10.2022).<\/p>\n\n\n\n<p>10&nbsp;Zu der Person Martin Bonhoeffer wurde im Ergebnisbericht der vorausgegangenen Aufarbeitungsphase unter an- derem festgehalten, dass Martin Bonhoeffer in Verflechtungen\/an Orten wie nach Berlin, G\u00f6ttingen (hier z. B. im Haus auf der Hufe) und T\u00fcbingen aktiv war. In seiner aktiven Zeit im Landesjugendamt Berlin war er gemeinsam mit Peter Widemann zust\u00e4ndig f\u00fcr das Referat \u201aHeimerziehung\u2018, worunter auch die Heimaufsicht geh\u00f6rte (vgl. Kappeler 2016: 71). Martin Bonhoeffer und Peter Widemann waren mit Helmut Kentlers sexualp\u00e4dagogischen Positionen be- kannt und mussten von entsprechenden eingerichteten Pflegestellen gewusst haben. Dar\u00fcber hinaus war Martin Bon- hoeffer auch nach seiner aktiven Zeit in der Senatsverwaltung Berlins weiterhin in fachlichem Austausch mit dieser und es fanden Unterbringungen junger Menschen im Kontext der FEH und FE aus Berlin in die von ihm geleitete Einrichtung nach T\u00fcbingen statt. Es zeigen sich auch Verflechtungen der Odenwaldschule nach Berlin und der Ber- liner Senatsverwaltung und Martin Bonhoeffer (siehe Brachmann 2019) sowie die Kooperation zwischen Gerold Be- cker und Martin Bonhoeffer (siehe weiterf\u00fchrend auch Baader et al. 2020, Brachmann 2019).<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/10b92592-8160-4c39-ab06-efa4636eb6eb\" alt=\"page17image3648649344\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/a10a3148-e273-451d-b1ae-7ea05f507248\" alt=\"page17image3648649616\" width=\"219.120000\" height=\"0.480000\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/c16d5a8b-3f06-4cfa-983a-c76d0c7ff453\" alt=\"page17image3648649888\" width=\"273.600000\" height=\"0.480000\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/823ffb1a-c8a4-401b-98c9-11e0d1166c7d\" alt=\"page17image3648650224\" width=\"221.280000\" height=\"0.480000\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/3e200e77-de24-40b2-979c-bc548c759cd0\" alt=\"page17image3648650496\" width=\"86.400000\" height=\"0.480000\"><\/p>\n\n\n\n<p>17<\/p>\n\n\n\n<p>hier folgende Schlagworte genannt: Martin-Bonhoeffer-H\u00e4user, Jugendstrafanstalt Pl\u00f6tzensee, Schutzhilfe, Jugendschutzstellen, Bew\u00e4hrungshilfe, Jugendstraff\u00e4lligenhilfe, Wohngemeinschaf- ten, Helmut Kentler u.V.m. Die Mitarbeiter*innen des Landesarchivs haben daraufhin Listen zum Thema der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin ab den 1960er Jahren zusammengestellt. Aus diesen Listen wurden insgesamt 63 Archivalien ausgew\u00e4hlt. F\u00fcr entsprechende Archivalien, die einer Schutzfrist unterlagen, wurde ein Antrag auf Schutzfristverk\u00fcrzung nach \u00a7 9 Abs. 4 des Landesarchivgesetzes Berlin gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Best\u00e4nde des Stadtarchivs G\u00f6ttingen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der weiteren Recherche zur Rekonstruktion des Netzwerks werden immer wieder Hinweise deutlich, dass ein Bezugsort dieses Netzwerks in dem P\u00e4dagogischen Seminar der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen11&nbsp;sowie in den Jugendhilfestrukturen der Stadt G\u00f6ttingen gelegen zu haben scheinen (Frommann\/Becker 1996; Oelkers 2016). Um dieses Netzwerk weiter zu analysieren und zu re- konstruieren, wurde eine Recherche im Stadtarchiv G\u00f6ttingen durchgef\u00fchrt. Es wird davon aus- gegangen, dass das Netzwerk quer durch verschiedene Organisationen und Institutionen bereits Anfang der 1960er Jahre im G\u00f6ttinger Raum gegangen ist. Des Weiteren wird angenommen, dass sich das Netzwerk sp\u00e4ter weiter auf den Berliner Raum, eben u. a. auf das Berliner Landesju- gendamt, aber auch auf andere Institutionen in West-Deutschland, ausbreitete und dabei durch Institutionen, Organisationen, Diskurse zur Kinder- und Jugendhilfe und durch Personen ver- kn\u00fcpft war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitarbeiter*innen des Forscher*innenteams haben eine digitale Recherche zu den Best\u00e4n- den des Stadtarchivs G\u00f6ttingen durchgef\u00fchrt und Einsicht in 25 Archivguteinheiten sowie einen Antrag auf Schutzfristverk\u00fcrzungen nach dem Nieders\u00e4chsischen Archivgesetz beantragt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Best\u00e4nde des Hessischen Staatsarchivs in Darmstadt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Analyse der Fallakten, die Rezeption des fach\u00f6ffentlichen Diskurses (Frommann\/Be- cker 1996), mediale Recherchen (STERN 2010) sowie den Austausch mit dem ehemaligen Abtei- lungsleiter des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, Dr. Johannes Kistenich-Zerfa\u00df, wurde deut- lich, dass es Verwobenheiten zwischen der Kinder- und Jugendhilfe Berlin sowie der Odenwald- schule gegeben hat. So wurden Kindern und Jugendlichen aus Berlin Hilfema\u00dfnahmen in der Odenwaldschule eingerichtet und durch das Landesjugendamt Berlin bzw. durch bezirkliche Jugend\u00e4mter Berlins belegt. Angesichts der (sexualisierten) Gewalt, die in der Odenwaldschule geschah (vgl. z. B. Brachmann 2015; 2019), sowie der engen Verbindung zwischen dem Landes- jugendamt Berlin und der Odenwaldschule \u00fcber die Personen Martin Bonhoeffer und Gerold Becker wurde im Rahmen des aktuellen Aufarbeitungsprozesses eine Recherche im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt durchgef\u00fchrt, in dem die Best\u00e4nde zur Odenwaldschule archiviert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>In verschiedenen Gespr\u00e4chen mit Mitarbeiter*innen des Hessischen Staatsarchivs wurde ge- meinsam sondiert, welche f\u00fcr die Aufarbeitung relevanten Best\u00e4nde sich m\u00f6glicherweise in die- sem Archiv befinden. Dar\u00fcber hinaus haben die Mitarbeiter*innen des Forschungsteams die Be- st\u00e4nde des Archivs digital nach relevanten Schlagworten durchsucht. F\u00fcr eine Analyse wurde<\/p>\n\n\n\n<p>11&nbsp;In diesem Kontext hat sich das Forscher*innenteam mit der Arbeitsgruppe des Instituts f\u00fcr Erziehungswissenschaft der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen ausgetauscht, die zu dem Projekt \u201eDie Geschichte der G\u00f6ttinger Erziehungswissenschaft im Fokus aktueller Studien zu sexualisierter Gewalt in p\u00e4dagogischen Kontexten\u201c forscht. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich unter:&nbsp;https:\/\/www.uni-goettingen.de\/en\/die+geschichte+der+g\u00f6ttinger+erziehungswissen- schaft+im+fokus+aktueller+studien+zu+sexualisierter+gewalt+in+p\u00e4dagogischen+kontexten\/631278.html&nbsp;(Letzter Zugriff: 11.10.2022).<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/46b87f69-4bd8-4c30-bfb1-764dcb995ba0\" alt=\"page18image3649080752\" width=\"144.000000\" height=\"0.720000\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/a8309415-460a-4075-84b5-dff4ccddae34\" alt=\"page18image3649081024\" width=\"332.400000\" height=\"0.480000\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/e261e00d-a0b9-4de1-b339-f365f56db569\" alt=\"page18image3649081296\" width=\"409.920000\" height=\"0.480000\"><\/p>\n\n\n\n<p>18<\/p>\n\n\n\n<p>die Einsicht in etwa 70 Archivguteinheiten angefragt, f\u00fcr die \u2013 soweit erforderlich \u2013 ein Antrag auf Schutzfristverk\u00fcrzung nach dem entsprechenden Archivgesetz gestellt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Archivguteinheiten wurden f\u00fcr die Aufarbeitung relevante Dokumente gesichtet. Dabei handelt es sich um Dokumente wie Sch\u00fcler*innen- sowie Lehrer*innenakten und Akten, die \u00fcber die Strukturen der Odenwaldschule sowie \u00fcber die Verbindungen zu Berlin Aufschluss ge- ben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Best\u00e4nde des Nieders\u00e4chsischen Landesarchivs, Abteilung Hannover<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend wurde in die Best\u00e4nde des Nieders\u00e4chsischen Landesarchivs Einsicht genommen. Zum einen vor dem Hintergrund der Person Helmut Kentler und seiner beruflichen T\u00e4tigkeit in Hannover. Zum anderen wurde Hinweisen von Zeitzeug*innen und der bis dato erfolgten Ak- tenrecherche nachgegangen, die auf Unterbringungen von Kindern und Jugendlichen aus Berlin in Niedersachsen hingewiesen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt wurden diesbez\u00fcglich 24 Archivg\u00fcter eingesehen. F\u00fcr diese wurden ein Nutzungsan- trag sowie f\u00fcr einige der Archivalien auch Schutzfristverk\u00fcrzungsantr\u00e4ge nach dem Nieders\u00e4ch- sischen Archivgesetz gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.3 Forschungsperspektive III: Zeitzeug*inneninterviews<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine dritte Forschungsperspektive stellen Zeitzeug*inneninterviews dar. Dabei werden Zeit- zeug*innen gesucht bzw. wurden interviewt, die nicht nur etwas \u00fcber die damalige Kinder- und Jugendhilfe in Berlin berichten k\u00f6nnen. Es werden vielmehr solche Zeitzeug*innen interviewt und gesucht, die explizit einerseits generell Auskunft zu den Verwobenheiten des Berliner Lan- desjugendamts geben k\u00f6nnen und die andererseits in Institutionen oder Organisationen t\u00e4tig waren, die enge Verbindungen zu dem Landesjugendamt Berlin hatten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zeitzeug*innen-Sampling<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Fokus der Suche nach m\u00f6glichen Zeitzeug*innen richtet sich demnach prim\u00e4r auf Personen, die Auskunft \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge, Rahmenbedingungen, Entscheidungswege sowie Ver- flechtungen der Arbeit des damaligen Berliner Landesjugendamts geben k\u00f6nnen. Der Prozess der Zeitzeug*inneninterviews ist zirkul\u00e4r angelegt bzw. folgt weiterf\u00fchrenden Hinweisen der einzelnen Interviews sowie Aktenanalysen. Insgesamt gestaltet sich die Suche nach Zeitzeug*in- nen als herausfordernd, da viele m\u00f6gliche Zeitzeug*innen bereits verstorben sind, nach einer so langen Zeitspanne nicht mehr auffindbar sind, nicht \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge, ihre Verflech- tungen oder ihr Wissen sprechen m\u00f6chten oder bereits ein sehr hohes Alter erreicht haben, das ihre Erz\u00e4hlungen beeintr\u00e4chtigt. Aus diesem Grund wurden und werden Aufrufe ver\u00f6ffentlicht, in denen explizit Zeitzeug*innen zu verschiedenen Organisationen gesucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt sind die Befragung und die Analyse der Zeitzeug*innen noch nicht abgeschlossen. Gegenw\u00e4rtig werden weitere Zeitzeug*innen gesucht, weitere Interviews gef\u00fchrt sowie analy- siert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.4 Forschungsperspektive IV: Fach\u00f6ffentlicher Diskurs<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Forschungsperspektive werden Dokumente aus dem Zeitraum der 1960er bis 2000er Jahre analysiert, die sich auf die Berliner Kinder- und Jugendhilfe beziehen. Dies sind Doku-<\/p>\n\n\n\n<p>19<\/p>\n\n\n\n<p>mente \u00fcber das Landesjugendamt in Berlin, \u00fcber die Jugendstrafanstalt Pl\u00f6tzensee, Ver\u00f6ffentli- chungen \u00fcber Ma\u00dfnahmen der FE und FEH, \u00fcber das JWG, Publikationen von und \u00fcber Perso- nen wie Martin Bonhoeffer und die Odenwaldschule und weitere Institutionen im Falle m\u00f6gli- cher Verflechtungen. Jene Dokumente werden dabei unter Aspekten und Kategorien, die f\u00fcr die Fragestellung relevant sind, mittels einer Dokumentenanalyse bearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Zwischenfazit und Perspektiven f\u00fcr das weitere Vorgehen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Gesamtschau der vier Forschungsperspektiven l\u00e4sst sich bis heute festhalten, dass das von uns im Rahmen der vorausgehenden Aufarbeitung rekonstruierte Netzwerk \u00fcber teilweise enge Beziehungsstrukturen verf\u00fcgte (Baader et al. 2020). Es kann davon ausgegangen werden, dass neben denjenigen, die pers\u00f6nlich sexualisierte \u00dcbergriffe ausge\u00fcbt haben \u2013 wie z. B. Helmut Kentler oder der Professor der Sozialp\u00e4dagogik aus West-Deutschland \u2013 ein Netzwerk von Ak- teur*innen existierte, die direkt oder indirekt Konstellationen mit geschaffen haben, durch die sexualisierte \u00dcbergriffe m\u00f6glich wurden oder als \u201eBystanders\u201c von diesen sexualisierten \u00dcber- griffen gewusst haben, ohne diese weitergehend zu problematisieren oder gar anzuzeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Netzwerk reichte deutlich \u00fcber Berlin bis in verschiedene Regionen West-Deutschlands hinaus und konnte an unterschiedliche Infrastrukturen der Kinder- und Jugendhilfe, Hochschu- len oder der evangelischen Kirche ankn\u00fcpfen und sich durch diese auch \u00f6ffentlich normalisieren oder gegen\u00fcber Anfragen immunisieren. Das Landesjugendamt Berlin kann dabei \u2013 nach dem derzeitigen Erkenntnisstand \u2013 als ein zentraler Ort ausgemacht werden, der als eine solche Inf- rastruktur dem Netzwerk erm\u00f6glichte, Konstellationen zu schaffen, in denen sexualisierte \u00dcber- griffe ausge\u00fcbt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Akteur*innen aus dem Landesjugendamt nahmen Wissenschaftler*innen in dem Netz- werk eine besondere Stellung ein. So waren Orte der Wissenschaft sowie der sozialp\u00e4dagogi- schen Fachentwicklung (\u201eexperimentelle\u201c oder neue Angebote) Infrastrukturen, an denen Akti- vit\u00e4ten von Akteur*innen vernetzt, Konstellationen geschaffen oder diese gegen\u00fcber Anfragen immunisiert wurden. Dies war nur m\u00f6glich, da hier auch aktive Bef\u00fcrworter*innen P\u00e4dophilie legitimierender Positionen und eine Reihe von sog. \u201eBystanders&#8220; \u2013 Personen, die von den sexu- alisierten \u00dcbergriffen wussten oder starken Signalen nicht nachgingen \u2013 aktiv waren und auch in f\u00fchrenden Positionen diese bagatellisierten. Dabei wurden auch Konstellationen geschaffen und mitverantwortet, in denen junge Menschen sexualisierte \u00dcbergriffe erlebt haben, die weiter \u00fcber die (rechtlich) formalisierte Kinder- und Jugendhilfe hinausreichen, aber letztlich als Re- form der Kinder- und Jugendhilfe galten und immunisiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund der hier nachgezeichneten Lage ergibt sich f\u00fcr die wissenschaftliche Auf- arbeitung daher die Notwendigkeit, ihre Perspektiven zu \u00f6ffnen und \u00fcber die Pflegekinderhilfe hinaus die Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe und auch der wissenschaftlichen Fachent- wicklung sowie der evangelische Kirche zu beleuchten. Ziel des vorliegenden Zwischenberichts ist es daher, auf diese notwendige \u00d6ffnung hinzuweisen und transparent zu machen, welchen Hinweisen und Anhaltspunkten das Forscher*innenteam bisher folgen konnte bzw. gefolgt ist und wie dabei jeweils methodisch vorgegangen wurde. Im weiteren Aufarbeitungsprozess wird es darum gehen, das hier rekonstruierte Netzwerk weiter zu analysieren und zu beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chten wir noch einmal Betroffene und Zeitzeug*innen aufrufen, sich bei uns zu melden, die mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen die Aufarbeitung unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>20<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Baader, Meike S.\/Oppermann, Carolin\/Schr\u00f6der, Julia\/Schr\u00f6er, Wolfgang (2020): Ergebnisbe- richt \u201eHelmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe. Universit\u00e4tsverlag Hil- desheim. Abrufbar unter&nbsp;https:\/\/doi.org\/10.18442\/129.<\/p>\n\n\n\n<p>Baader, Meike S. (2017): Zwischen Politisierung, P\u00e4dosexualit\u00e4t und Befreiung aus dem \u201eGetto der Kindheit\u201c. Diskurse \u00fcber die Entgrenzung von kindlicher und erwachsener Sexualit\u00e4t in den 1970er Jahren. In: Baader, Meike Sophia\/Jansen, Christian\/K\u00f6nig, Julia\/Sager, Christin: Tabubruch und Entgrenzung. Kindheit und Sexualit\u00e4t nach 1968. K\u00f6ln: B\u00f6hlau Verlag. S. 55\u201384.<\/p>\n\n\n\n<p>Becker, Sophinette (2017): Aktuelle Diskurse \u00fcber P\u00e4dosexualit\u00e4t\/P\u00e4dophilie und ihre Leerstel- len. In: Baader, Meike Sophia\/Jansen, Christian\/K\u00f6nig, Julia\/Sager, Christin: Tabubruch und Entgrenzung. Kindheit und Sexualit\u00e4t nach 1968. K\u00f6ln: B\u00f6hlau Verlag. S. 313\u2013326.<\/p>\n\n\n\n<p>Brachmann, Jens (2019): Tatort Odenwaldschule. Das T\u00e4tersystem und die diskursive Praxis der Aufarbeitung von Vorkommnissen sexualisierter Gewalt. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klink- hardt.<\/p>\n\n\n\n<p>Brachmann, Jens (2015): Reformp\u00e4dagogik zwischen Re-Education, Bildungsexpansion und Missbrauchsskandal. Die Geschichte der Vereinigungen Deutscher Landerziehungsheime 1947- 2012. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.<\/p>\n\n\n\n<p>Frommann, Anne\/Becker, Gerold (1996) (Hrsg.): Martin Bonhoeffer: Sozialp\u00e4dagoge und Freund unter Zeitdruck. Herausgegeben von Anne Frommann und Gerold Becker. M\u00f6ssingen- Talheim: Talheimer.<\/p>\n\n\n\n<p>Hax, Iris\/Reiss, Sven (2021): Vorstudie: Programmatik und Wirken p\u00e4dosexueller Netzwerke in Berlin \u2013 Recherche. Berlin (https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/kommission\/forschung- studien-kindesmissbrauch\/vorstudie-paedosexuelle-netzwerke-berlin\/).<\/p>\n\n\n\n<p>Imbusch, Peter (2017): Die Rolle von \u201eDritten\u201c. Eine unterbelichtete Dimension von Gewalt. In: Batelka, Philipp\/Weise, Michael\/Zehnle, Stephanie (Hrsg.): Zwischen T\u00e4tern und Opfern. Ge- waltbeziehungen und Gewaltgemeinschaften. S. 47-74.<\/p>\n\n\n\n<p>Kappeler, Manfred (2016): Die Berliner Heimkampagne. Ein Beispiel f\u00fcr die Politisierung von Studierenden und PraktikerInnen der Sozialen Arbeit. In: Birgmeier, Bernd\/M\u00fchrel (Hrsg.): Die \u201e68er\u201c und die Soziale Arbeit. Eine (Wieder-)Begegnung. Wiesbaden: Springer. S. 123-153.<\/p>\n\n\n\n<p>Kentler, Helmut (1989): Leihv\u00e4ter. Kinder brauchen V\u00e4ter. Reinbek: Rowohlt Verlag (rororo).<\/p>\n\n\n\n<p>Nentwig, Teresa (2021): Im Fahrwasser der Emanzipation. Die Wege und Irrwege des Helmut Kentler. Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Oelkers, J\u00fcrgen (2016): P\u00e4dagogik, Elite, Missbrauch. Die &gt;Karriere&lt; des Gerold Becker. Wein- heim und Basel: Beltz Juventa.<\/p>\n\n\n\n<p>Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung, Jugend und Wissenschaft (2014): Heimerziehung in Berlin West 1945\u20131975, Ost 1945\u20131989. Berliner Leitfaden zur Akteneinsicht.<img decoding=\"async\" src=\"blob:http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/85505157-9781-47c6-a026-e82a932b839b\" alt=\"page21image3555603520\" width=\"132.480000\" height=\"0.480000\"><\/p>\n\n\n\n<p>21<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischenbericht:Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe Am 19. 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