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Lernfeld SEXUALITÄT
DGG e.V.Bonn
Linus J. Dietz
dankenswerterweise bearbeitet von G. Zahner

Information zum Welt – AIDS – Tag „Sei doch nicht blöd…!“
Die AIDS-Problematik im Unterricht an bayrischen Schulen
(Familien- und Sexualerziehung nach dem BayEUG Art 48)

von Linus J. Dietz, Gustav-Walle-Schule, Würzburg

Zusammenfassung

Zur Vermeidung der Infektionsgefahr ist es unbedingt erforderlich, so frühzeitig wie möglich über Safer Sex und den Gebrauch von Kondomen zu sprechen und die entsprechenden Praktiken zu akzeptieren. Bei der Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer hapert es in dieser Hinsicht mit der sachkundigen und angemessenen Unterrichtung der Schülerinnen und Schüler.

Lehre und lerne die Bekämpfung von Furcht durch Fakten:

„Sag` Nein zur Furcht!
Gib AIDS keine Chance!
Stirb nicht aus Unwissenheit!“

AIDS – Risiko und gesellschaftlicher Rahmen

Wissen allein kann schützen und bei jeglicher Lebensbewältigung helfen. Dies ist der Auftrag der Sexualerziehung im Rahmen der gesamten Gesundheitserziehung.

Auch wenn ich weitgehend über den schulischen Umgang mit jungen Menschen spreche, so bedeutet doch, dass wegen der relativen Neuheit des AIDS-Problems für uns alle, jede Aussage möglicherweise jedem von uns, Sie und mich auch, betreffen kann. Längst hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass die AIDS-Problematik weitreichender als zunächst angenommen ist, dass sie schwerwiegenden Einfluss auf die psychosexuelle und die ethischen-moralische Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nimmt. Damit kann kein an Erziehung Interessierter an dieser Thematik mehr vorbeigehen, kann sich nicht mehr nur auf Mediziner und den Auftrag zur Abhilfe beim Arzt und Gesundheitsamt berufen und delegieren wollen.

Die bisherige Aufklärungsarbeit zeigt, dass in der Auseinandersetzung mit AIDS Probleme aufgeworfen werden, die gesamte Einstellung zur Sexualität und das konkrete Sexualverhalten betreffen. Eine nur biologisch, medizinisch ausgerichtete Aufklärungsarbeit scheint hier begrenzt wirksam zu werden, d.h. die konkrete Verhaltensänderung von Jugendliche kann wohl nur durch kontinuierliche Erziehungsarbeit herbeigeführt werden.

AIDS, die erworbene Immunschwäche, diese „teuflische Infektionskrankheit“ sieht uns noch immer machtlos. Damit entsteht zweifellos primär ein Problem für die Gesundheitspolitik, die Vorsorge und die Gesundheitserziehung. Inhaltliche Details können an dieser Stelle unterbleiben. Hier geht es um die Frage, kann die Schule mit ihrer rechtsverbindlich verordneten Sexualerziehung einen Beitrag zur AIDS-Prophylaxe leisten und wenn ja, welchen.

AIDS- Die Situation in den Richtlinien

Empfehlungen zur Sexualerziehung in den Schulen-Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 3.10.1968

Hier wird die Sexualerziehung als Erziehung zu verantwortlichem geschlechtlichen Verhalten als Teil der Gesamterziehung festgeschrieben. Sie wird als notwendig erachtet, um die individual- und sozial-ethischen Aufgaben der Erziehung zu erfüllen. Sexualerziehung wird in erster Linie als Aufgabe der Eltern angesehen. Die Schule allerdings wird verpflichtet aufgrund ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages, bei dieser schwierigen Aufgabe mitzuwirken. Es wird gesehen, dass sich im Elternhaus Sexualerziehung in einerprivaten Sphäre vollzieht, während sie in jeder Schule den Rahmeneiner öffentlich-rechtlichen Ordnung zu sehen hat. Das bedeutet bei gleicher Zielsetzung unterschiedliche Voraussetzung, Formen und Methoden.

Erziehung zu verantwortlichem geschlechtlichen Verhalten und zum Bewusstsein der Verantwortung, in die der einzelne in bezug auf sich selbst, den Partner, die Familie und die Gesellschaft gestellt ist, ist Aufgabe der Schule während der ganzen Schulzeit. Diese gemeinsame Erklärung hat eine Reihe von Gegnern auf den Plan gerufen, die den Staat gezwungen haben durch alle Instanzen der Gerichte zu gehen.

Richtlinien zur Familien- und Sexualerziehung in den bayrischen Schulen- Bekanntmachung des Kultusministeriums z.B. vom 17. Juli 1980II/8-8/98286mit Änderung vom 12.4.83II/8-829303

Das Ergebnis war vermutlich nicht so wie die Gegner der Sexualpädagogik in der Schule sich vorgestellt haben. Sie haben genau das erreicht, was sie verhindern wollten. Eine gesetzliche Festschreibung in den Erziehungsgesetzen der Länder und im nachhinein dazu Richtlinien für die Durchführung im Unterricht.

Familien- und Sexualerziehung orientiert sich an den allgemeinen Bildungszielen, wie sie im Artikel 131 Abs 1 mit 3 der Verfassung des Freistaates Bayern sowie im Artikel 1 und 2 des bayerischen Gesetztes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) ausgewiesen sind, ferner an dem im Grundgesetz und in der Verfassung des Freistaates Bayern festgelegten Wertentscheidung. Ideologisierung und Indoktrination sind dem Lehrer untersagt. Die religiösen Empfindungen sowie die Persönlichkeitsrechte des einzelnen sind zuachten.

Sexualerziehung fordert objektive, ausgewogene und entwicklungs- und altersgemäße Darstellung sowie eine dem Bildungsauftrag der Schulen angemessene Ausdrucksweise. Nicht allein der Lehrvortrag, sondern das Gespräch mit den Schülern soll Bestandteil des Unterrichts sein. Medien unterstützen die Arbeit. Sie sind an den gesetzlichen Vorgabe für Schulen zu messen.

Neben den Grundsätzen für die Familie- und Sexualerziehung wird vor allem die Organisation in der Schule beschrieben. Der Schulleiter einer jeden Schule hat für die Einhaltung der Richtlinien an seiner Schule zu sorgen. In einer Konferenz wird die Gesamtplanung abgestimmt ebenso wie die Kooperation mit den Eltern. Mündliche und schriftliche Leistungsnachweise unterbleiben ebenso wie Fragebogenaktionen.

Unterrichtsthemen werden festgelegt für Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Berufsschule und verpflichtend wird die Sexualpädagogik in Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung. Ein wichtiger Bestandteil der Sexualerziehung ist, dass nicht die Biologie und die Religion als Unterrichtsfach dafür allein in Frage kommen, sondern fächerübergreifend die verschiedensten Unterrichtsfächer einen Beitrag leisten sollen. Der Rahmen der Themen ist weit gesteckt: Entwicklung des werdenden Lebens, Verantwortung für das geschlechtliche Tun und die verschiedenen Problembereiche wie frühe Sexualbetätigung, Menstruation, Homosexualität, Familienberatung, Geschlechtskrankheiten und Hygiene sowie Massenmedien.

Richtlinien für die AIDS-Prävention an den bayrischen Schulen- Gemeinsame Bekanntmachung der bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus, des Innern und für Arbeit und Sozialordnung vom 15. März 1989II/8-S4363/5-8/22121…

Allein die Richtlinien für Familien- und Sexualerziehung hätten es möglich gemacht, dass Lehrer je nach Situation und Erfordernis die Thematik AIDS in den Unterricht genommen hätten. Dies gilt vor allem für die oberen Jahrgänge. Hier sind die bayrischen Richtlinien gewiss nicht restriktiv. Einzelbeispiele sowie der Druck der Öffentlichkeit haben die Verlautbarung für die AIDS-Richtlinien erforderlich gemacht.

Neben den erzieherischen Intentionen wird der Beitrag der Unterrichtsfächer und die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und den Gesundheitsbehörden dargestellt. Die persönliche Beratung in der Schule wird beschreiben und das Vorgehen bei möglicherweise infizierten Schülern sowie die Versorgung drohender Verletzungen und sonstige Vorsichtsmaßnahmenwerden aufgenommen, die Unterrichtshilfen sowie die Aus- und Fortbildung angesprochen. Eine Art Meldepflicht wird der Schule auferlegt, bevor Entscheidungen über infizierte Schüler getroffen werden.

Im Nachgang zu diesen Richtlinien wurden auf allen Ebenen Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt. Hierzu waren auch Verbände und Institutionen mit ihrer Arbeit hilfreich. Hervorzuheben ist z.B. die AIDS-Allianz, die der Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband mit vielen an Erziehung beteiligten Institutionen durchgeführt hat. Seine AIDS-Kommission, der ich vorstehe, ist ein vielgesuchter Ansprechpartner in den letzten Jahren zu dieser Problematik geworden. An dieser Stelle ist ebenfalls die Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtserziehung zu nennen, die ihren Mitgliedern schon frühzeitig Informationen und Fortbildungsveranstaltungen angeboten hat. Aber auch an der Lehrerakademie in Dillingen und auf regionaler und auf Schulamtsebene haben zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden, die den Lehrern die Möglichkeit gegeben haben, sich in diese schwierige Materie einzuarbeiten. Leider ist Fortbildung bis heute nicht über die inhaltliche Ebene hinausgekommen.

AIDS – eine Herausforderung für die Sexualerziehung

Angesichts der hohen gesellschaftlichen Brisanz und des breiten öffentlichen Interesses an diesem Thema verwundert es nicht, dass gerade von der Schule größte Anstrengung erwartet und gefordert werden. Nun wird Sexualerziehung, die lange Zeit verpönt war und sicherlich mehr als ein stiefmütterliches Dasein geführt hat, wieder salonfähig. Allerdings nicht, weil die Bedeutung für die Entwicklung der Schüler sowie die Gesundheit und die Lebensgestaltung erkannt werden, sondern weil man sich den Hauptbeitrag der sog. AIDS-Aufklärung an den Schulen nun von dieser obligatorischen Sexualerziehung erwartet. Sexualerziehung in der Schule wird zum „Volksmuliplikator“ ersten Ranges hochstilisiert nicht nur für die zu beschulende junge Generation, sondern über Elternabende und Sonderveranstaltungen auch für Eltern, Erziehungsberechtigte und das ganze soziale Umfeld. So wird Schule zum Reparaturbetrieb degradiert, nicht wie ein Partner der regionalen Infrastruktur.

Ob dieser Rahmen tatsächlich geeignet ist, gesundheitspolitisch geforderte und unbestreitbare AIDS-Prävention effizient zu unterstützen, ist sicher nicht ausdiskutiert. Allein die Tatsache, dass Sexualkontakte zu den Hauptübertragungswegen des Virus gehören und Jugendliche aufgrund altersspezifischer Risikobereitschaft und Experimentierfreudigkeit auf der einen Seite und sexueller Unerfahrenheit wegen mangelnder Lebenserfahrung und Menschenkenntnis andererseits stark gefährdet sind, ist für viele hinreichende Legitimation, die Sexualerziehung in der Schule zu verstärken. Durch das Neugier – und Probierverhalten der Jugendlichen unserer Zeit bekommt heute die AIDS-Problematik eine neue gefährliche Dimension. Bedenkt man die praktisch bedeutsamen Übertragungsmöglichkeiten von HIV; so ängstigt einen Schulpädagogen in Wirklichkeit folgendes Infektionsrisiko: Vielleicht der erste Kontakt im Leben mit einem einzigen Menschen kann zur Infektion führen, wenn dieser Virusträger ist. Ein gesunder Partner stellt dies an sich nicht fest, er weiß als Infizierter selbst nicht, dass er Virusträger ist. Oftmals wissen Menschen nicht einmal, dass sie in den letzten Jahren ein Infektionsrisiko eingegangen sind. Bleibt festzustellen, dass nur Menschen über einen Sexualkontakt kein Infektionsrisiko eingehen, wenn sie in einer festen Beziehung leben, in der die Partner mit Sicherheit in den letzten Jahren kein Risiko eingegangen sind. Für junge Menschen, die erst noch einen Partner suchen, trifft diese Bedingung nicht zu. Die pädagogische Forderung muss lauten, dass Menschen, die einen sexuellen Kontaktaufnehmen wollen, zuerst miteinander über dieses Thema AIDS reden müssen. Das allein löst jedoch nicht das Problem, da sowohl bei Jungen als bei Älteren sexuellen Kontakt häufig spontan entstehen. Manchmal spielt auch noch der den Willen einschränkende Alkohol eine Rolle. Die Gründe, einen Partner zu verlieren, die Sorge, eine Gelegenheit verpassen, nicht mitreden zu können, die Sehnsucht, die Erregung und Befriedigung, natürlich die Lust am Abenteuer oder auf eine romantische Liebe, müsse durchaus bedacht werden. Mangelnde Lebenserfahrung und wenig Menschenkenntnis, geringe sexuelle Erfahrung und kaum Situationsübersicht, lassen häufig junge Menschen Situationen nutzen, die oft nicht einmal den erhofften körperlichen oder seelischen Genuss erbringen, sondern beträchtlichen Katzenjammer erzeugen mit z. T. tödlichem Risiko.

Den Sexualpädagogen war es immer ein Anliegen, jungen Menschen auf ihr Sexualleben vorzubereiten, dass sie gar nicht erst solche Situationenerleben müssen. Im Zusammenhang mit AIDS bekommt diese Forderung lediglich einen verschärften Anstrich. Unüberlegte sexuelle Kontakte waren schon immer riskant. Eine ungewollte Schwangerschaft, eine Infektion oder seelische Verletzung sollte von verantwortungsbewussten Eltern oder Pädagogen durch erzieherische Maßnahme verhindert werden. Wenn junge Menschen von Kindheit an durch Elternhaus und Schule, durch Freundeskreis und Gesellschaft in ihrer sexuellen Entwicklung positiv begleitet werden, dann integrieren sie Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit AIDS in ihr Verhaltensrepertoire, ohne dass grundsätzlich das Sexualverhalten umorientiert werden muss.
Frau Dr. Etschenberg, die für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung des AIDS-Unterrichtsmaterial für die 9. und 10. Klassen maßgeblich entwickelt hat, schreibt in einem Aufsatz zum Thema AIDS und Jugendschutz: „Problematisch ist die Situation jedoch bei den Jugendlichen (bei der Mehrzahl?), denen die Erwachsenen eine begleitende Sexualerziehung bisher vorenthalten haben. Wie soll man Jugendliche von heute auf morgen an den Gedanken gewöhnen, sexuellen Kontakten nur zuzustimmen, wenn sich die Partner über AIDS unterhalten und diesbezüglich Schutzmaßnahmen verabredet haben (u.a. Verwendung von Kondomen), wenn bisher das Reden über Sexualität, und zwar das offene, partnerschaftliche Reden, nicht geübt worden ist? Wie soll man Jugendlichen die Verwendung von Kondomen auf angemessenen Weise beibringen, wenn bisher die meisten Erwachsenen (einschließlich Lehrer ) dieses Mittel zur Empfängnis- und Infektionsverhütung nahezu ignoriert haben (obgleich es im Vergleich zu anderen Mitteln sicher und absolut schädlich ist)? Wie soll man Jugendliche zur sexuellen Enthaltsamkeit in riskanten Situationen motivieren, wenn man bisher den medialen Miterziehern kampflos zugestanden hat, Jugendliche sexuell „aufzureizen“?

Die allseits kontrovers geführten Diskussionen darüber, was Schule mit Jugendlichen besprechen soll und darf oder muss, zeigen lediglich die desolate Situation der Sexualerziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Es ist der Offenbarungseid der Hilflosigkeit von Erwachsenen im Umgang mit unausweichlichen Lebensproblemen. Niemand kann Sexualität negieren.

Bedenkt man allerdings den Rahmen in den besonders die Volksschule gestellt ist hinsichtlich der Wertmaßstäbe der christlichen Erziehung, dann wird ein Teufelskreis offenbar, den kaum jemand zu lösen vermag. Ist doch der genannte Bereich weitgehend im Bereich des Südhaften angesiedelt und a priori et semper verboten bis in den Ehestand hinein.

Aber die Lösung dieses Grundsatzproblems darf man nicht abwarten, um ein vernünftiges Konzept der Prävention für Jugendliche vorzulegen, denn bis dahin könnten sich allzu viele junge Menschen infizieren. Viele junge Menschen können bis dahin Schaden genommen haben auch an ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung, weil ihnen die Angst vor AIDS den Mut und das Vertrauen zu einem sexuellen Kontakt bzw. zu einem Sexualpartner genommen hat. Die AIDS-Problematik hat der Sexualpädagogik ein wenig auf die Sprünge geholfen. Aber der Preis ist dafür zu hoch.

AIDS und Sexualpädagogik – was ist zu tun?

An allen Schulen ist das Thema Familien- und Sexualerziehung durchgeeignete, effektive Fortbildungsmaßnahmen auf den Stand der Zielprojektion der Richtlinien zu heben. Lehrkräften muss durch die Schulverwaltung Mut gemacht werden, an dieses „Königsproblem der Erziehung“ (Zulliger) heranzugehen. Sie benötigten Richtlinien-Kompetenz, die Sach- und Selbstkompetenz beinhalten. Die materiellen Richtlinien sind inhaltlich zu erweitern durch Aufklärung im herkömmlichen Sinne über möglicherweise tödliche Risiken bei Sexualkontakten.

Sexualerziehung und AIDS-Prävention müssen junge Menschen ermutigen, miteinander offen über AIDS zu sprechen. Ethisch-moralische und religiöse Diskussionen haben ihren Platz z. B. im fächerübergreifenden Beitrag des Religionsunterrichtes. Sie dürfen andere wesentliche Lernziele nicht überlagern oder gar verhindern. Bei allen ethisch-moralischen Bedenken (auch religiösen) muss der Zugang zum einzigen Mittel, der als Schutz gegen mögliche Infektionen bei einem sexuellen Kontakt mit einer möglicherweise infizierten Person eingesetzt werden kann, zum Kondom, leichtgemacht werden. Menschen müssen motiviert und befähigt werden, sich des Kondomschutzes zu bedienen. Noch mehr aber muss Menschen, besonders jungen Menschen, Mut gemacht werden, zu Sexualkontakten nein zu sagen, wenn sie Angst haben.

Unterrichtsmaterialien und audiovisuelle Medien sind weitestgehend konsensfähig zu entwickeln und zu erproben. Eine Materialstation mit Bücherei und Archiv wäre hilfreich. Hierzu ist ein eigenes Landesinstitut mit zusätzlichen Sonderveranstaltungen an der Universität unabdingbar.

Es bleibt Zuversicht zu vermitteln, dass Sexualität ein schöner Teil des Lebens ist, auf den man sich freuen kann, auch wenn AIDS z.Z. unter bestimmten Voraussetzungen zu Beschränkungen und Schutzmaßnahmen zwingt.  Dr. Etschenberg , die auch stellvertretende Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtserziehung ist, fasst diesen Komplex zusammen: „Ich glaube, dass diese Forderungen in etwa den Katalog an notwendigen und möglichen Sofortmaßnahmen umreißen, die von denen zu leisten sind, die sich in der Schule oder in der außerschulischen Jugendarbeit einem Jugendschutz im weitesten Sinne verpflichtet fühlen, der AIDS nicht als Vehikel oder Vorwand für sexualerzieherische Aktivität braucht, die bisher entweder nicht offen und mutig genug vertreten worden sind oder nicht überzeugend und durch setzbar waren.“   (In: Jugendschutz heute 5/1987)

AIDS als Thema gehört immer in den gesamten sexualpädagogischen Inhaltskanon. Dieses für Menschen schwierige Phänomen sollte besonders Jugendlichen nicht isoliert präsentiert werden. Das Thema Sexualität nur im Zusammenhang mit der AIDS-Todesdrohung anzupacken ist pädagogisch verantwortungslos. Es bleibt allen an Sexualpädagogik Interessierten und in die Verantwortung Gestellten als herausragende Aufgabe für künftige Arbeit, die Aspekte Sexualität und Lebensfreude, Lebensbejahung und Liebe bei junge Menschen und bei allen Junggebliebenen zu unterstützen, auch und gerade jetzt.

Nicht nur die Bedrohung durch AIDS hat das Sprechen über Sexualität in unserer Gesellschaft offener werden lassen. Die Verarbeitung des Themas in den Medien zwingt ebenso miteinander im Gespräch zu bleiben. Langfristig sollte das gemeinsame Leitziel angestrebt werden: Menschen instand setzen, über sexuelle Gefühle, Vorstellungen, Gedanken, Wünsche, Handlungen und Enttäuschungen ebenso wie über Bedrohungen und Risiken sanktionsfrei sprechen zu können.

Unser Generalziel: Gib AIDS keine Chance.
Auch wenn (hoffentlich) die meisten unserer Schüler noch keine Chance hatten, AIDS  eine Chance zu geben, so sollten sie doch rückblickend über ihren Unterricht zu diesem Thema das Lernzielbefolgen: Wenn ich die Chance habe, werde ich AIDS keine Chance geben.

In Anlehnung an eine bekannte Werbung sollten wir Erwachsenen und die Pädagogen speziell, allen Schülerinnen und Schülern dazu verhelfen, auf riskantem Territorium ein wenig weniger blöd zu sein. Heute muss wirklich niemand mehr an seiner eigenen Blödheit, sprich: Unwissenheit sterben.

Nach meinem Verständnis ist Sexualität die besondere Qualität in unserem Leben. Sexualerziehung verdient deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit. Auf keinen Fall dürfen wir so gesehen jungen Menschen die „rote Karte“ zeigen, ihnen Lust und Spaß vergrätzen noch vor der ersten Chance. Alle Menschen haben das Recht, diesen beglückenden Anteil ihrer Person zu erleben. Dies muss auch gelten für schon Betroffene. Ihnen das Gespür zu geben, dass es an ihnen mehr gibt als nur ihre Krankheit sollte verantwortungsbewusste Sozialpädagogikanbahnen helfen, denn auch dieses Leben geht weiter. Wie schön wäre es, wenn Sexualpädagogik in der Schule schon einen Beitrag leisten könnte, die Dramatik des Lebens zu relativieren. Ein weniger an Ellbogen und ein Mehr an zärtlichem Umgang. Das wär`s für unsere Gesellschaft.
Effektives Unterrichtsmaterial
BzgA: AIDS – Unterrichtsmaterial für 9./10. Klasse. Klett-Verlag, ISBN: 3129905804
Literatur auf Anfrage beim Verfasser
E-Mail: Linus.Dietz@dgg-ev-bonn.de oder hier klicken
Wichtige Links:
www.aidshilfe.de
gez. Dipl.-Päd., Rektor Linus J. Dietz, c/o GWS, Schwabenstr. 12, 97078 Würzburg