{"id":137,"date":"2017-07-25T18:15:43","date_gmt":"2017-07-25T16:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/wp\/?page_id=137"},"modified":"2025-07-23T12:58:42","modified_gmt":"2025-07-23T10:58:42","slug":"aktionen-projekte","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/index.php\/aktuelles\/aktionen-projekte\/","title":{"rendered":"Aktionen &#038; Projekte"},"content":{"rendered":"<h2>Lernfeld SEXUALIT\u00c4T<br \/>\nDGG e.V.Bonn<\/h2>\n<h2>seit 2012 DGG neV<br \/>\nLinus J. Dietz<br \/>\nW\u00fcrzburg<\/h2>\n<p><b>Information zum Welt \u2013 AIDS &#8211; Tag \u00a0&#8211; &#8222;W A D&#8220; \u00a0&#8211; 1.12. j.J.<\/b><\/p>\n<h2><b>&#8222;Sei doch nicht bl\u00f6d&#8230;!&#8220;<\/b><br \/>\n<b>Die AIDS-Problematik im Unterricht an bayrischen Schulen <\/b><br \/>\n(Familien- und Sexualerziehung nach dem BayEUG Art 48)<\/h2>\n<p><i>von Linus J. Dietz, Gustav-Walle-Schule, W\u00fcrzburg<\/i><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-138 alignnone\" src=\"http:\/\/dgg-ev-bonn.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/sei-doch-nicht-bl\u00f6d-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/p>\n<p><b>Sch\u00fclerplakat<\/b><\/p>\n<p>Zur Vermeidung der Infektionsgefahr ist es unbedingt erforderlich, so fr\u00fchzeitig wie m\u00f6glich \u00fcber Safer Sex und den Gebrauch von Kondomen zu sprechen und die entsprechenden Praktiken zu akzeptieren. Bei der Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer hapert es in dieser Hinsicht mit der sachkundigen und angemessenen Unterrichtung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Lehre und lerne die Bek\u00e4mpfung von Furcht durch Fakten:<br \/>\n<b><br \/>\n&#8222;Sag` Nein zur Furcht!<br \/>\nGib AIDS keine Chance!<br \/>\nStirb nicht aus Unwissenheit!&#8220;<\/b><br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<h2>AIDS &#8211; Risiko und gesellschaftlicher Rahmen<\/h2>\n<p>Wissen allein kann sch\u00fctzen und bei jeglicher Lebensbew\u00e4ltigung helfen. Dies ist der Auftrag der Sexualerziehung im Rahmen der gesamten Gesundheitserziehung.<\/p>\n<p>Auch wenn ich weitgehend \u00fcber den schulischen Umgang mit jungen Menschen spreche, so bedeutet doch, dass wegen der relativen Neuheit des AIDS-Problems f\u00fcr uns alle, jede Aussage m\u00f6glicherweise jedem von uns, Sie und mich auch, betreffen kann. L\u00e4ngst hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass die AIDS-Problematik weitreichender als zun\u00e4chst angenommen ist, dass sie schwerwiegenden Einfluss auf die psychosexuelle und die ethischen-moralische Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nimmt. Damit kann kein an Erziehung Interessierter an dieser Thematik mehr vorbeigehen, kann sich nicht mehr nur auf Mediziner und den Auftrag zur Abhilfe beim Arzt und Gesundheitsamt berufen und delegieren wollen.<\/p>\n<p>Die bisherige Aufkl\u00e4rungsarbeit zeigt, dass in der Auseinandersetzung mit AIDS Probleme aufgeworfen werden, die gesamte Einstellung zur Sexualit\u00e4t und das konkrete Sexualverhalten betreffen. Eine nur biologisch, medizinisch ausgerichtete Aufkl\u00e4rungsarbeit scheint hier begrenzt wirksam zu werden, d.h. die konkrete Verhaltens\u00e4nderung von Jugendliche kann wohl nur durch kontinuierliche Erziehungsarbeit herbeigef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>AIDS, die erworbene Immunschw\u00e4che, diese &#8222;teuflische Infektionskrankheit&#8220; sieht uns noch immer machtlos. Damit entsteht zweifellos prim\u00e4r ein Problem f\u00fcr die Gesundheitspolitik, die Vorsorge und die Gesundheitserziehung. Inhaltliche Details k\u00f6nnen an dieser Stelle unterbleiben. Hier geht es um die Frage, kann die Schule mit ihrer rechtsverbindlich verordneten Sexualerziehung einen Beitrag zur AIDS-Prophylaxe leisten und wenn ja, welchen.<\/p>\n<p><b>AIDS- Die Situation in den Richtlinien <\/b><br \/>\n<i><br \/>\nEmpfehlungen zur Sexualerziehung in den Schulen-Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 3.10.1968 <\/i><\/p>\n<p>Hier wird die Sexualerziehung als Erziehung zu verantwortlichem geschlechtlichen Verhalten als Teil der Gesamterziehung festgeschrieben. Sie wird als notwendig erachtet, um die individual- und sozial-ethischen Aufgaben der Erziehung zu erf\u00fcllen. Sexualerziehung wird in erster Linie als Aufgabe der Eltern angesehen. Die Schule allerdings wird verpflichtet aufgrund ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages, bei dieser schwierigen Aufgabe mitzuwirken. Es wird gesehen, dass sich im Elternhaus Sexualerziehung in einerprivaten Sph\u00e4re vollzieht, w\u00e4hrend sie in jeder Schule den Rahmeneiner \u00f6ffentlich-rechtlichen Ordnung zu sehen hat. Das bedeutet bei gleicher Zielsetzung unterschiedliche Voraussetzung, Formen und Methoden.<\/p>\n<p>Erziehung zu verantwortlichem geschlechtlichen Verhalten und zum Bewusstsein der Verantwortung, in die der einzelne in bezug auf sich selbst, den Partner, die Familie und die Gesellschaft gestellt ist, ist Aufgabe der Schule w\u00e4hrend der ganzen Schulzeit. Diese gemeinsame Erkl\u00e4rung hat eine Reihe von Gegnern auf den Plan gerufen, die den Staat gezwungen haben durch alle Instanzen der Gerichte zu gehen.<\/p>\n<p><i>Richtlinien zur Familien- und Sexualerziehung in den bayrischen Schulen- Bekanntmachung des Kultusministeriums z.B. vom 17. Juli 1980II\/8-8\/98286mit \u00c4nderung vom 12.4.83II\/8-829303 <\/i><\/p>\n<p>Das Ergebnis war vermutlich nicht so wie die Gegner der Sexualp\u00e4dagogik in der Schule sich vorgestellt haben. Sie haben genau das erreicht, was sie verhindern wollten. Eine gesetzliche Festschreibung in den Erziehungsgesetzen der L\u00e4nder und im nachhinein dazu Richtlinien f\u00fcr die Durchf\u00fchrung im Unterricht.<\/p>\n<p>Familien- und Sexualerziehung orientiert sich an den allgemeinen Bildungszielen, wie sie im Artikel 131 Abs 1 mit 3 der Verfassung des Freistaates Bayern sowie im Artikel 1 und 2 des bayerischen Gesetztes \u00fcber das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) ausgewiesen sind, ferner an dem im Grundgesetz und in der Verfassung des Freistaates Bayern festgelegten Wertentscheidung. Ideologisierung und Indoktrination sind dem Lehrer untersagt. Die religi\u00f6sen Empfindungen sowie die Pers\u00f6nlichkeitsrechte des einzelnen sind zuachten.<\/p>\n<p>Sexualerziehung fordert objektive, ausgewogene und entwicklungs- und altersgem\u00e4\u00dfe Darstellung sowie eine dem Bildungsauftrag der Schulen angemessene Ausdrucksweise. Nicht allein der Lehrvortrag, sondern das Gespr\u00e4ch mit den Sch\u00fclern soll Bestandteil des Unterrichts sein. Medien unterst\u00fctzen die Arbeit. Sie sind an den gesetzlichen Vorgabe f\u00fcr Schulen zu messen.<\/p>\n<p>Neben den Grunds\u00e4tzen f\u00fcr die Familie- und Sexualerziehung wird vor allem die Organisation in der Schule beschrieben. Der Schulleiter einer jeden Schule hat f\u00fcr die Einhaltung der Richtlinien an seiner Schule zu sorgen. In einer Konferenz wird die Gesamtplanung abgestimmt ebenso wie die Kooperation mit den Eltern. M\u00fcndliche und schriftliche Leistungsnachweise unterbleiben ebenso wie Fragebogenaktionen.<\/p>\n<p>Unterrichtsthemen werden festgelegt f\u00fcr Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Berufsschule und verpflichtend wird die Sexualp\u00e4dagogik in Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung. Ein wichtiger Bestandteil der Sexualerziehung ist, dass nicht die Biologie und die Religion als Unterrichtsfach daf\u00fcr allein in Frage kommen, sondern f\u00e4cher\u00fcbergreifend die verschiedensten Unterrichtsf\u00e4cher einen Beitrag leisten sollen. Der Rahmen der Themen ist weit gesteckt: Entwicklung des werdenden Lebens, Verantwortung f\u00fcr das geschlechtliche Tun und die verschiedenen Problembereiche wie fr\u00fche Sexualbet\u00e4tigung, Menstruation, Homosexualit\u00e4t, Familienberatung, Geschlechtskrankheiten und Hygiene sowie Massenmedien.<\/p>\n<p><i>Richtlinien f\u00fcr die AIDS-Pr\u00e4vention an den bayrischen Schulen- Gemeinsame Bekanntmachung der bayerischen Staatsministerien f\u00fcr Unterricht und Kultus, des Innern und f\u00fcr Arbeit und Sozialordnung vom 15. M\u00e4rz 1989II\/8-S4363\/5-8\/22121&#8230;<br \/>\n<\/i><br \/>\nAllein die Richtlinien f\u00fcr Familien- und Sexualerziehung h\u00e4tten es m\u00f6glich gemacht, dass Lehrer je nach Situation und Erfordernis die Thematik AIDS in den Unterricht genommen h\u00e4tten. Dies gilt vor allem f\u00fcr die oberen Jahrg\u00e4nge. Hier sind die bayrischen Richtlinien gewiss nicht restriktiv. Einzelbeispiele sowie der Druck der \u00d6ffentlichkeit haben die Verlautbarung f\u00fcr die AIDS-Richtlinien erforderlich gemacht.<\/p>\n<p>Neben den erzieherischen Intentionen wird der Beitrag der Unterrichtsf\u00e4cher und die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und den Gesundheitsbeh\u00f6rden dargestellt. Die pers\u00f6nliche Beratung in der Schule wird beschreiben und das Vorgehen bei m\u00f6glicherweise infizierten Sch\u00fclern sowie die Versorgung drohender Verletzungen und sonstige Vorsichtsma\u00dfnahmenwerden aufgenommen, die Unterrichtshilfen sowie die Aus- und Fortbildung angesprochen. Eine Art Meldepflicht wird der Schule auferlegt, bevor Entscheidungen \u00fcber infizierte Sch\u00fcler getroffen werden.<\/p>\n<p>Im Nachgang zu diesen Richtlinien wurden auf allen Ebenen Fortbildungsveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Hierzu waren auch Verb\u00e4nde und Institutionen mit ihrer Arbeit hilfreich. Hervorzuheben ist z.B. die AIDS-Allianz, die der Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband mit vielen an Erziehung beteiligten Institutionen durchgef\u00fchrt hat. Seine AIDS-Kommission, der ich vorstehe, ist ein vielgesuchter Ansprechpartner in den letzten Jahren zu dieser Problematik geworden. An dieser Stelle ist ebenfalls die Arbeit der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geschlechtserziehung zu nennen, die ihren Mitgliedern schon fr\u00fchzeitig Informationen und Fortbildungsveranstaltungen angeboten hat. Aber auch an der Lehrerakademie in Dillingen und auf regionaler und auf Schulamtsebene haben zahlreiche Veranstaltungen stattgefunden, die den Lehrern die M\u00f6glichkeit gegeben haben, sich in diese schwierige Materie einzuarbeiten. Leider ist Fortbildung bis heute nicht \u00fcber die inhaltliche Ebene hinausgekommen.<\/p>\n<p><b>AIDS &#8211; eine Herausforderung f\u00fcr die Sexualerziehung <\/b><\/p>\n<p>Angesichts der hohen gesellschaftlichen Brisanz und des breiten \u00f6ffentlichen Interesses an diesem Thema verwundert es nicht, dass gerade von der Schule gr\u00f6\u00dfte Anstrengung erwartet und gefordert werden. Nun wird Sexualerziehung, die lange Zeit verp\u00f6nt war und sicherlich mehr als ein stiefm\u00fctterliches Dasein gef\u00fchrt hat, wieder salonf\u00e4hig. Allerdings nicht, weil die Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung der Sch\u00fcler sowie die Gesundheit und die Lebensgestaltung erkannt werden, sondern weil man sich den Hauptbeitrag der sog. AIDS-Aufkl\u00e4rung an den Schulen nun von dieser obligatorischen Sexualerziehung erwartet. Sexualerziehung in der Schule wird zum &#8222;Volksmuliplikator&#8220; ersten Ranges hochstilisiert nicht nur f\u00fcr die zu beschulende junge Generation, sondern \u00fcber Elternabende und Sonderveranstaltungen auch f\u00fcr Eltern, Erziehungsberechtigte und das ganze soziale Umfeld. So wird Schule zum Reparaturbetrieb degradiert, nicht wie ein Partner der regionalen Infrastruktur.<\/p>\n<p>Ob dieser Rahmen tats\u00e4chlich geeignet ist, gesundheitspolitisch geforderte und unbestreitbare AIDS-Pr\u00e4vention effizient zu unterst\u00fctzen, ist sicher nicht ausdiskutiert. Allein die Tatsache, dass Sexualkontakte zu den Haupt\u00fcbertragungswegen des Virus geh\u00f6ren und Jugendliche aufgrund altersspezifischer Risikobereitschaft und Experimentierfreudigkeit auf der einen Seite und sexueller Unerfahrenheit wegen mangelnder Lebenserfahrung und Menschenkenntnis andererseits stark gef\u00e4hrdet sind, ist f\u00fcr viele hinreichende Legitimation, die Sexualerziehung in der Schule zu verst\u00e4rken. Durch das Neugier &#8211; und Probierverhalten der Jugendlichen unserer Zeit bekommt heute die AIDS-Problematik eine neue gef\u00e4hrliche Dimension. <b>Bedenkt man die praktisch bedeutsamen \u00dcbertragungsm\u00f6glichkeiten von HIV; so \u00e4ngstigt einen Schulp\u00e4dagogen in Wirklichkeit folgendes Infektionsrisiko: Vielleicht der erste Kontakt im Leben mit einem einzigen Menschen kann zur Infektion f\u00fchren, wenn dieser Virustr\u00e4ger ist.<\/b> Ein gesunder Partner stellt dies an sich nicht fest, er wei\u00df als Infizierter selbst nicht, dass er Virustr\u00e4ger ist. Oftmals wissen Menschen nicht einmal, dass sie in den letzten Jahren ein Infektionsrisiko eingegangen sind. Bleibt festzustellen, dass nur Menschen \u00fcber einen Sexualkontakt kein Infektionsrisiko eingehen, wenn sie in einer festen Beziehung leben, in der die Partner mit Sicherheit in den letzten Jahren kein Risiko eingegangen sind. F\u00fcr junge Menschen, die erst noch einen Partner suchen, trifft diese Bedingung nicht zu. Die p\u00e4dagogische Forderung muss lauten, <b>dass Menschen, die einen sexuellen Kontaktaufnehmen wollen, zuerst miteinander \u00fcber dieses Thema AIDS reden m\u00fcssen.<\/b> Das allein l\u00f6st jedoch nicht das Problem, da sowohl bei Jungen als bei \u00c4lteren sexuellen Kontakt <b>h\u00e4ufig spontan<\/b> entstehen. Manchmal spielt auch noch der den Willen einschr\u00e4nkende Alkohol eine Rolle. Die Gr\u00fcnde, einen Partner zu verlieren, die Sorge, eine Gelegenheit verpassen, nicht mitreden zu k\u00f6nnen, die Sehnsucht, die Erregung und Befriedigung, nat\u00fcrlich die Lust am Abenteuer oder auf eine romantische Liebe, m\u00fcsse durchaus bedacht werden. Mangelnde Lebenserfahrung und wenig Menschenkenntnis, geringe sexuelle Erfahrung und kaum Situations\u00fcbersicht, lassen h\u00e4ufig junge Menschen Situationen nutzen, die oft nicht einmal den erhofften k\u00f6rperlichen oder seelischen Genuss erbringen, sondern betr\u00e4chtlichen Katzenjammer erzeugen mit z. T. t\u00f6dlichem Risiko.<\/p>\n<p>Den Sexualp\u00e4dagogen war es immer ein Anliegen, jungen Menschen auf ihr Sexualleben vorzubereiten, dass sie gar nicht erst solche Situationenerleben m\u00fcssen. Im Zusammenhang mit AIDS bekommt diese Forderung lediglich einen versch\u00e4rften Anstrich. <b>Un\u00fcberlegte sexuelle Kontakte waren schon immer riskant. Eine ungewollte Schwangerschaft, eine Infektion oder seelische Verletzung sollte von verantwortungsbewussten Eltern oder P\u00e4dagogen durch erzieherische Ma\u00dfnahme verhindert werden. <\/b>Wenn junge Menschen von Kindheit an durch Elternhaus und Schule, durch Freundeskreis und Gesellschaft in ihrer sexuellen Entwicklung positiv begleitet werden, dann integrieren sie Vorsichtsma\u00dfnahmen im Zusammenhang mit AIDS in ihr Verhaltensrepertoire, ohne dass grunds\u00e4tzlich das Sexualverhalten umorientiert werden muss.<br \/>\nFrau Dr. Etschenberg, die f\u00fcr die Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung des AIDS-Unterrichtsmaterial f\u00fcr die 9. und 10. Klassen ma\u00dfgeblich entwickelt hat, schreibt in einem Aufsatz zum Thema AIDS und Jugendschutz: &#8222;Problematisch ist die Situation jedoch bei den Jugendlichen (bei der Mehrzahl?), denen die Erwachsenen eine begleitende Sexualerziehung bisher vorenthalten haben. Wie soll man Jugendliche von heute auf morgen an den Gedanken gew\u00f6hnen, sexuellen Kontakten nur zuzustimmen, wenn sich die Partner \u00fcber AIDS unterhalten und diesbez\u00fcglich Schutzma\u00dfnahmen verabredet haben (u.a. Verwendung von Kondomen), wenn bisher das Reden \u00fcber Sexualit\u00e4t, und zwar das offene, partnerschaftliche Reden, nicht ge\u00fcbt worden ist? <b>Wie soll man Jugendlichen die Verwendung von Kondomen auf angemessenen Weise beibringen, wenn bisher die meisten Erwachsenen (einschlie\u00dflich Lehrer ) dieses Mittel zur Empf\u00e4ngnis- und Infektionsverh\u00fctung nahezu ignoriert haben (obgleich es im Vergleich zu anderen Mitteln sicher und absolut sch\u00e4dlich ist)?<\/b> Wie soll man Jugendliche zur sexuellen Enthaltsamkeit in riskanten Situationen motivieren, wenn man bisher den medialen Miterziehern kampflos zugestanden hat, Jugendliche sexuell &#8222;aufzureizen&#8220;?<\/p>\n<p>Die allseits kontrovers gef\u00fchrten Diskussionen dar\u00fcber, was Schule mit Jugendlichen besprechen soll und darf oder muss, zeigen lediglich die desolate Situation der Sexualerziehung in der Bundesrepublik Deutschland. Es ist der Offenbarungseid der Hilflosigkeit von Erwachsenen im Umgang mit unausweichlichen Lebensproblemen. Niemand kann Sexualit\u00e4t negieren.<\/p>\n<p>Bedenkt man allerdings den Rahmen in den besonders die Volksschule gestellt ist hinsichtlich der Wertma\u00dfst\u00e4be der christlichen Erziehung, dann wird ein Teufelskreis offenbar, den kaum jemand zu l\u00f6sen vermag. Ist doch der genannte Bereich weitgehend im Bereich des S\u00fcdhaften angesiedelt und a priori et semper verboten bis in den Ehestand hinein.<\/p>\n<p>Aber die L\u00f6sung dieses Grundsatzproblems darf man nicht abwarten, um ein vern\u00fcnftiges Konzept der Pr\u00e4vention f\u00fcr Jugendliche vorzulegen, denn bis dahin k\u00f6nnten sich allzu viele junge Menschen infizieren. Viele junge Menschen k\u00f6nnen bis dahin Schaden genommen haben auch an ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung, weil ihnen die Angst vor AIDS den Mut und das Vertrauen zu einem sexuellen Kontakt bzw. zu einem Sexualpartner genommen hat. Die AIDS-Problematik hat der Sexualp\u00e4dagogik ein wenig auf die Spr\u00fcnge geholfen. Aber der Preis ist daf\u00fcr zu hoch.<\/p>\n<p><b>AIDS und Sexualp\u00e4dagogik &#8211; was ist zu tun? <\/b><\/p>\n<p><b>An allen Schulen ist das Thema Familien- und Sexualerziehung durchgeeignete, effektive Fortbildungsma\u00dfnahmen auf den Stand der Zielprojektion der Richtlinien zu heben.<\/b> Lehrkr\u00e4ften muss durch die Schulverwaltung Mut gemacht werden, an dieses &#8222;K\u00f6nigsproblem der Erziehung&#8220; (Zulliger) heranzugehen. Sie ben\u00f6tigten Richtlinien-Kompetenz, die Sach- und Selbstkompetenz beinhalten. Die materiellen Richtlinien sind inhaltlich zu erweitern durch Aufkl\u00e4rung im herk\u00f6mmlichen Sinne \u00fcber m\u00f6glicherweise t\u00f6dliche Risiken bei Sexualkontakten.<\/p>\n<p>Sexualerziehung und AIDS-Pr\u00e4vention m\u00fcssen junge Menschen ermutigen, miteinander offen \u00fcber AIDS zu sprechen. Ethisch-moralische und religi\u00f6se Diskussionen haben ihren Platz z. B. im f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Beitrag des Religionsunterrichtes. Sie d\u00fcrfen andere wesentliche Lernziele nicht \u00fcberlagern oder gar verhindern. Bei allen ethisch-moralischen Bedenken (auch religi\u00f6sen) muss der Zugang zum einzigen Mittel, der als Schutz gegen m\u00f6gliche Infektionen bei einem sexuellen Kontakt mit einer m\u00f6glicherweise infizierten Person eingesetzt werden kann, zum Kondom, leichtgemacht werden. Menschen m\u00fcssen motiviert und bef\u00e4higt werden, sich des Kondomschutzes zu bedienen. Noch mehr aber muss Menschen, besonders jungen Menschen, Mut gemacht werden, zu Sexualkontakten nein zu sagen, wenn sie Angst haben.<\/p>\n<p>Unterrichtsmaterialien und audiovisuelle Medien sind weitestgehend konsensf\u00e4hig zu entwickeln und zu erproben. Eine Materialstation mit B\u00fccherei und Archiv w\u00e4re hilfreich. Hierzu ist ein eigenes Landesinstitut mit zus\u00e4tzlichen Sonderveranstaltungen an der Universit\u00e4t unabdingbar.<\/p>\n<p>Es bleibt Zuversicht zu vermitteln, dass Sexualit\u00e4t ein sch\u00f6ner Teil des Lebens ist, auf den man sich freuen kann, auch wenn AIDS z.Z. unter bestimmten Voraussetzungen zu Beschr\u00e4nkungen und Schutzma\u00dfnahmen zwingt.\u00a0 Dr. Etschenberg , die auch stellvertretende Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geschlechtserziehung ist, fasst diesen Komplex zusammen: &#8222;Ich glaube, dass diese Forderungen in etwa den Katalog an notwendigen und m\u00f6glichen Sofortma\u00dfnahmen umrei\u00dfen, die von denen zu leisten sind, die sich in der Schule oder in der au\u00dferschulischen Jugendarbeit einem Jugendschutz im weitesten Sinne verpflichtet f\u00fchlen, der AIDS nicht als Vehikel oder Vorwand f\u00fcr sexualerzieherische Aktivit\u00e4t braucht, die bisher entweder nicht offen und mutig genug vertreten worden sind oder nicht \u00fcberzeugend und durch setzbar waren.&#8220;\u00a0\u00a0 (In: Jugendschutz heute 5\/1987)<\/p>\n<p>AIDS als Thema geh\u00f6rt immer in den gesamten sexualp\u00e4dagogischen Inhaltskanon. Dieses f\u00fcr Menschen schwierige Ph\u00e4nomen sollte besonders Jugendlichen nicht isoliert pr\u00e4sentiert werden. Das Thema Sexualit\u00e4t nur im Zusammenhang mit der AIDS-Todesdrohung anzupacken ist p\u00e4dagogisch verantwortungslos. Es bleibt allen an Sexualp\u00e4dagogik Interessierten und in die Verantwortung Gestellten als herausragende Aufgabe f\u00fcr k\u00fcnftige Arbeit, die Aspekte Sexualit\u00e4t und Lebensfreude, Lebensbejahung und Liebe bei junge Menschen und bei allen Junggebliebenen zu unterst\u00fctzen, auch und gerade jetzt.<\/p>\n<p>Nicht nur die Bedrohung durch AIDS hat das Sprechen \u00fcber Sexualit\u00e4t in unserer Gesellschaft offener werden lassen. Die Verarbeitung des Themas in den Medien zwingt ebenso miteinander im Gespr\u00e4ch zu bleiben. Langfristig sollte das gemeinsame Leitziel angestrebt werden: Menschen instand setzen, \u00fcber sexuelle Gef\u00fchle, Vorstellungen, Gedanken, W\u00fcnsche, Handlungen und Entt\u00e4uschungen ebenso wie \u00fcber Bedrohungen und Risiken sanktionsfrei sprechen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>Unser Generalziel: Gib AIDS keine Chance.<\/b><br \/>\nAuch wenn (hoffentlich) die meisten unserer Sch\u00fcler noch keine Chance hatten, AIDS\u00a0 eine Chance zu geben, so sollten sie doch r\u00fcckblickend \u00fcber ihren Unterricht zu diesem Thema das Lernzielbefolgen: Wenn ich die Chance habe, werde ich AIDS keine Chance geben.<\/p>\n<p><b>In Anlehnung an eine bekannte Werbung sollten wir Erwachsenen und die P\u00e4dagogen speziell, allen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern dazu verhelfen, auf riskantem Territorium ein wenig weniger bl\u00f6d zu sein. Heute muss wirklich niemand mehr an seiner eigenen Bl\u00f6dheit, sprich: Unwissenheit sterben. <\/b><\/p>\n<p>Nach meinem Verst\u00e4ndnis ist Sexualit\u00e4t die besondere Qualit\u00e4t in unserem Leben. Sexualerziehung verdient deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit. Auf keinen Fall d\u00fcrfen wir so gesehen jungen Menschen die &#8222;rote Karte&#8220; zeigen, ihnen Lust und Spa\u00df vergr\u00e4tzen noch vor der ersten Chance. Alle Menschen haben das Recht, diesen begl\u00fcckenden Anteil ihrer Person zu erleben. Dies muss auch gelten f\u00fcr schon Betroffene. Ihnen das Gesp\u00fcr zu geben, dass es an ihnen mehr gibt als nur ihre Krankheit sollte verantwortungsbewusste Sozialp\u00e4dagogikanbahnen helfen, denn auch dieses Leben geht weiter. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn Sexualp\u00e4dagogik in der Schule schon einen Beitrag leisten k\u00f6nnte, die Dramatik des Lebens zu relativieren. Ein weniger an Ellbogen und ein Mehr an z\u00e4rtlichem Umgang. Das w\u00e4r`s f\u00fcr unsere Gesellschaft.<br \/>\n<b>Effektives Unterrichtsmaterial<\/b><br \/>\nBzgA: AIDS &#8211; Unterrichtsmaterial f\u00fcr 9.\/10. Klasse. Klett-Verlag, ISBN: 3129905804<br \/>\n<b>Literatur auf Anfrage beim Verfasser <\/b><br \/>\nE-Mail: Linus.Dietz@dgg-ev-bonn.de oder <a href=\"mailto:Linus.Dietz@dgg-ev-bonn.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> klicken<br \/>\n<b>Wichtige Links:<\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.aidshilfe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.aidshilfe.de<\/a><br \/>\ngez. Dipl.-P\u00e4d., Rektor aD Linus J. Dietz, Lengfelder Str. 29, D-97078 W\u00fcrzburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lernfeld SEXUALIT\u00c4T DGG e.V.Bonn seit 2012 DGG neV Linus J. 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